Von wegen still. Wenn sich am kommenden Osterfeiertag Raser und Poser zum jährlichen ,,Car-Freitag" treffen, sind Motorenlärm und Burnouts fester Bestandteil des Programms. Wenige Tage vor diesem Szenenevent startet jetzt der Automobilclub Verkehr ACV eine Aufklärungskampagne mit dem Ziel, der steigenden Zahl an Unfallopfern durch illegale Autorennen entgegenzuwirken. Sie trägt den Titel #rasenkicktanders und will mit Videos über soziale Medien vor allem junge Menschen erreichen.
Raser verursachen immer wieder schwere Unfälle und es werden immer mehr. Wurden 2018 beispielsweise allein in Nordrhein-Westfalen noch 470 verbotene Kfz-Rennen registriert, zählte die Polizei im vergangenen Jahr mehr als 2.000 solcher Fälle. Die Dunkelziffer dürfte noch weit höher liegen. Zwölf Menschen kamen dabei 2022 zu Tode. Noch nie mussten in NRW so viele Opfer durch illegale Autorennen beklagt werden.
,,Der öffentliche Raum ist nicht der richtige Platz für Rennen", appelliert Hauptkommissar Ernst Klein von der Kölner Polizei, die die Kampagne unterstützt. Selbst kleine Fahrfehler könnten bei übermotorisierten Fahrzeugen schnell zu tragischen Unfällen führen. Doch mit Appellen allein ist es nicht getan. Wurden illegale Autorennen noch vor wenigen Jahren als Kavaliersdelikt geahndet und mit einer vergleichsweise milden Ordnungsstrafe belegt, stehen sie seit 2017 explizit unter Strafe. Damit hat die Polizei die rechtlichen Mittel, um intensiver gegen das Raserphänomen vorzugehen. Mit dem Ermittlungsdruck steigt die Zahl dokumentierter Fälle und damit die Erkenntnisse über das Milieu.
Die Statistik spricht dabei eine deutliche Sprache. Nahezu ausnahmslos sind die Unfallverursacher junge Männer zwischen 18 und 26 Jahren, die mit ihrem aggressiven Gebaren nach Anerkennung in der Gruppe und bei Bezugspersonen suchen. Dabei überschätzen sie am Steuer PS-starker Fahrzeuge ihre eigenen Fähigkeiten und unterschätzen das Risiko, auf ihrer Profilierungsfahrt selbst in einen Unfall verwickelt zu werden.
Ernst Klein macht sich nichts vor: ,,Mit unserer Uniform erreichen wir die Täter schon lange nicht mehr. Daher wünschen wir uns noch mehr Engagement bei der Prävention. Eine Kampagne wie die des ACV leistet dabei einen wertvollen Beitrag." Aufbauend auf einer intensiven Aufklärungsarbeit unter der Gruppe heranwachsender Jugendlicher sieht der Automobilclub weitere Ansatzpunkte zur Vermeidung dieser speziellen Straftaten. Neben einem Verbot der Anmietung hochmotorisierter Fahrzeuge durch junge Fahrer, fordert der Automobilclub unter anderem auch die Einführung eines Stufenführerscheins, wie es ihn schon beim Motorrad gibt. Er würde jungen Menschen, zum Beispiel bis zu einem Alter von 25 Jahren, das Fahren eines Pkw nur bis zu einer festzulegenden PS-Grenze erlauben.















