Wirtschaft

Reiche will Gasförderung in Deutschland ankurbeln - Grüne verurteilen Vorstoß

  • AFP - 1. März 2026, 11:35 Uhr
Bild vergrößern: Reiche will Gasförderung in Deutschland ankurbeln - Grüne verurteilen Vorstoß
Ministerin Reiche
Bild: AFP

Wirtschaftsministerin Reiche will die Förderung von heimischem Gas ausweiten. 'Wir haben eigene Reserven in Deutschland', sagte Reiche den Zeitungen der Funke-Gruppe. Die Bundesregierung wolle die Gasförderung 'nicht weiter behindern'.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die Förderung von heimischem Gas ausweiten. "Wir haben eigene Reserven in Deutschland", sagte Reiche den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. Die Bundesregierung wolle die Gasförderung "nicht weiter behindern". Die Grünen kritisierten den Vorstoß scharf.

Entscheidend sei, ob das Gas zu guten Bedingungen förderfähig sei, sagte die Ministerin. "Darüber müssen wir sprechen - gerade wenn man nicht so viele Rohstoffe hat, gerade in so herausfordernden geopolitischen Zeiten." Dabei müsse "sehr sensibel zwischen Umweltinteressen und Rohstoffversorgung abgewogen werden - beides ist berechtigt".

Deutschland verfügt über erhebliche Schiefergasvorkommen. Die Förderung mit der umstrittenen Frackingmethode, bei der in tief liegenden Gesteinsschichten enthaltenes Erdgas mit Chemikalien und Druck extrahiert wird, ist seit 2017 in Deutschland allerdings verboten, weil eine Gefährdung unter anderem für das Grundwasser angenommen wird.

Die Grünen bezeichneten den Vorstoß der Ministerin vor diesem Hintergrund als "völligen Wahnsinn". "Nach dieser Woche kann es niemand mehr bestreiten: Die Gaslobby sitzt im Wirtschaftsministerium", sagte Fraktionsvize Julia Verlinden den Funke-Zeitungen. "Die Bundesregierung soll endlich eine Strategie vorlegen, wie der Gasverbrauch wirksam reduziert wird", forderte sie. Nur so könnten bezahlbare Energie gesichert und das Klima geschützt werden. 

Reiche verwies darauf, dass die Bundesregierung den Niederlanden ermöglicht habe, ein Gasfeld in der Nordsee zu explorieren. "Das sollte - bei aller berechtigten Sorge um Meeresschutz - auch von deutscher Seite aus möglich sein", sagte sie. "Wir halten es auf Dauer nicht durch, unpopuläre Maßnahmen an die Nachbarn auszulagern."

Engpässe bei der Gasversorgung erwartet Reiche trotz der derzeit niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher nicht. Es gebe keinen Grund zur Sorge. "Wir haben unsere Gasversorgung in Deutschland auf eine deutlich breitere Basis gestellt: Es gibt die Speicher, wir haben Flüssiggasterminals und langfristige Lieferverträge. Die Gasmärkte sind entspannt", sagte sie.

Um die Vorgaben des neuen Heizungsgesetzes zu erfüllen, will die Wirtschaftsministerin grüne Brennstoffe auch aus der Ukraine importieren. "Biomethan ist verfügbar, wird hierzulande produziert und schon jetzt im Markt vertrieben. Wo eine Nachfrage ist, wird sich ein Markt bilden", sagte die CDU-Politikerin. "Die Ukraine zum Beispiel bietet uns Biogas in großen Mengen an. Wir haben hier noch regulatorische Herausforderungen auf Seiten der Ukraine und der EU. Aber wenn diese gelöst sind, können wir mit signifikanten Biomethanimporten rechnen."

Die Fraktionen der Regierungskoalition hatten sich am Dienstag auf eine deutliche Lockerung der Vorgaben für Hausbesitzer beim Heizungstausch verständigt. Die bisherige Vorgabe eines Anteils von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien bei der Wärmeversorgung soll demnach entfallen. Als Ausgleich für den Klimaschutz ist eine sogenannte Grüngasquote vorgesehen: Öl- und Gasheizungen müssen zu steigenden Anteilen mit Brennstoffen wie Biomethan und synthetischem Treibstoff betrieben werden.

Weitere Meldungen

Bericht: Handelsökonom soll in Sachverständigenrat einziehen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Bundesregierung wird voraussichtlich schon an diesem Mittwoch einen Nachfolger für die aus dem Sachverständigenrat Wirtschaft

Mehr
Scharfe Kritik der Arbeitgeber an Nahverkehrsstreik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Angesichts anhaltender Streiks im öffentlichen Nahverkehr fordern Arbeitgeberverbände ein Vorgehen der Bundesregierung und Änderungen beim

Mehr
Arbeitgeberpräsident: Streiks im Nahverkehr sind "plumper Erpressungsversuch"

Nach den bundesweiten Streiks im öffentlichen Nahverkehr hat Arbeitgeberpräsident Steffen Kampeter die Gewerkschaften scharf kritisiert und Änderungen im Streikrecht gefordert.

Mehr

Top Meldungen

Wirtschaftsweise kritisieren Ausscheiden von Malmendier

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat die Entscheidung der Bundesregierung, die Amtszeit der

Mehr
Reiche: Förderung für Wärmepumpen endet nicht zwingend 2029

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat eine staatliche Förderung für Wärmepumpen nach 2029 ausdrücklich nicht ausgeschlossen. "2029

Mehr
Reiche will Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) dringt auf Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien, um den Folgen der Zollpolitik von

Mehr