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Iran-Krieg lässt auch Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah wieder eskalieren

  • AFP - 2. März 2026, 20:18 Uhr
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Schäden nach israelischem Angriff in der Bekaa-Ebene im Libanon am 2. März
Bild: AFP

Der US-israelische Krieg gegen den Iran hat sich auf den Libanon ausgeweitet. Die pro-iranische Hisbollah griff in vom Libanon aus Israel an. Die israelische Armee antwortete mit Attacken auf Hisbollah-Ziele.

Der US-israelische Krieg gegen den Iran hat auch den Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon wieder eskalieren lassen. Die pro-iranische Miliz startete in der Nacht zum Montag Angriffe gegen Israel und bezeichnete diese als "Vergeltung" für die Tötung des obersten Führers des Iran, Ayatollah Ali Chamenei. Die israelische Armee antwortete mit heftigen Attacken auf Hisbollah-Ziele im Libanon. Die Regierung in Beirut erließ in einem bisher beispiellosen Schritt ein "sofortiges Verbot" aller militärischen Aktivitäten der Hisbollah.

Die vom Iran finanzierte Miliz, die im November 2024 einen Waffenstillstand mit Israel geschlossen hatte, begann in der Nacht damit, Ziele im Norden Israels mit Raketen und Drohnen anzugreifen. Israel reagierte sofort mit Gegenangriffen und bombardierte südliche Vororte der Hauptstadt Beirut sowie Dutzende Ortschaften im Süden des Libanon. Dabei wurden nach Angaben der libanesischen Regierung mindestens 52 Menschen getötet und 154 weitere verletzt.

UN-Generalsekretär António Guterres rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Die Konfliktparteien müssten wieder zu ihrem Waffenstillstandsabkommen zurückkehren, sagte der Sprecher des Generalsekretärs, Stéphane Dujarric.

"Hunderte von Flugzeugen" würden "zeitgleich Angriffe" im Iran und im Libanon fliegen, sagte der israelische Militärsprecher Effie Defrin. Die israelische Armee gab überdies die Tötung des Hisbollah-Geheimdienstchefs Hussein Mukalled bekannt. Dieser sei bei einem gezielten Angriff in Beirut am Sonntagabend "eliminiert" worden, hieß es.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnete auch Hisbollah-Chef Naim Kassem als eines der "zur Tötung ausgewiesenen Ziele". Bei einem Besuch der Einsatzzentrale der israelischen Luftwaffe sagte Katz, Kassem werde "feststellen, dass, wer dem Weg Chameneis folgt, auch wie Chamenei enden wird: auf dem Grund der Hölle".

Armeechef Ejal Samir erklärte, Israel werde diesen Einsatz nicht nur mit einem "Schlag gegen den Iran beenden, sondern auch mit einem vernichtenden Schlag gegen die Hisbollah". Armee-Sprecher Defrin schloss den Einsatz von Bodentruppen im nördlichen Nachbarland nicht aus. "Alle Optionen liegen auf dem Tisch", sagte Defrin. "Wir werden die Hisbollah entwaffnen."

Das israelische Militär griff nach eigenen Angaben auch Einrichtungen des Finanzinstituts Al-Qard Al-Hassan-Vereinigung an, das für die Finanzierung der "terroristischen Hisbollah-Organisation" im Libanon verantwortlich sei.

Die libanesische Regierung verhängte derweil ein "sofortiges Verbot" aller "militärischen und sicherheitspolitischen Aktivitäten der Hisbollah". Regierungschef Nawaf Salam erklärte solche Aktivitäten der Hisbollah für "illegal" und forderte die Organisation auf, ihre Waffen an den Staat zu übergeben.

Salam hatte nach dem Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran erklärt, sein Kabinett werde "nicht akzeptieren, dass jemand das Land in Abenteuer hineinzieht, die seine Sicherheit und Einheit gefährden". Der Libanon wolle sich aus dem Konflikt heraushalten, betonte er.

Die Hisbollah ist in der Regierung in Beirut wie auch im Parlament vertreten. Ein Parlamentsvertreter der Miliz bezeichnete die Entscheidung der Regierung als "überheblich". Die Libanesen hätten vielmehr eine Entscheidung erwartet, "welche die israelische Aggression zurückweist".

Seit November 2024 galt zwischen Israel und der Hisbollah eine Waffenruhe. Die Miliz hatte nach dem Hamas-Überfall auf den Süden Israels im Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg eine zweite Front gegen Israel eröffnet. Die libanesische Regierung hatte zugesagt, die Hisbollah zu entwaffnen, womit im August vergangenen Jahres begonnen wurde. Unabhängig davon griff Israel immer wieder Hisbollah-Ziele im Südlibanon an.

Die USA und Israel starteten am Samstag ihren Großangriff auf den Iran. Dabei wurden der 86-jährige Ayatollah Chamenei und mehrere weitere iranische Führungspersönlichkeiten getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel, Staaten am Golf und US-Einrichtungen in der Region. 

Die USA und Israel sehen im Iran und dem von ihm seit Jahren vorangetriebenen Atom- und Raketenprogramm eine massive Bedrohung für die gesamte Region. Monatelange Verhandlungen waren ergebnislos geblieben. Die Iraner riefen sie zum Sturz der Mullah-Regierung in Teheran auf.

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