Brennpunkte

Ex-Verfassungsrichter: Klage gegen "Sondervermögen" gut möglich

  • dts - 11. April 2026, 11:09 Uhr
Bild vergrößern: Ex-Verfassungsrichter: Klage gegen Sondervermögen gut möglich
Bundesverfassungsgericht (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Karlsruhe (dts Nachrichtenagentur) - Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hält das Errichtungsgesetz zum im Grundgesetz verankerten 500 Milliarden Euro umfassenden "Sondervermögen" für Infrastruktur und Klimaschutz sowie das entsprechende Haushaltsgesetz für verfassungsrechtlich angreifbar.

"Hier könnte man wirklich Einwände erheben, dass nicht hinreichend Sorge getragen ist, die Verwendung der Kreditmittel ausreichend präzise zu definieren, insbesondere was die Voraussetzungen der zusätzlichen Investitionen betrifft", sagte Papier der "Welt am Sonntag". Die jüngsten Hinweise von Wirtschaftsinstituten, dass mit den Mitteln aus dem sogenannten Sondervermögen auch bestehende Lücken im Kernhaushalt gedeckt werden, zeigten, "dass das Errichtungsgesetz die verfassungsrechtlichen Vorgaben nicht hinreichend präzisiert, um etwaige Tricksereien zu verhindern", so der Staatsrechtler. "Die Umsetzung der Grundgesetzänderung ist sicherlich ein Punkt, der rechtlich angreifbar ist."

Denkbar sei eine abstrakte Normenkontrollklage gegen das Errichtungs- und Haushaltsgesetz vor dem Bundesverfassungsgericht, so Papier: "Dafür bräuchte es aber mindestens ein Viertel der Mitglieder des Deutschen Bundestages. Die sehe ich nicht."

Dennoch sollte sich die Bundesregierung nicht zu sicher sein, warnte der Professor: "Es könnte auch eine Landesregierung einen Normenkontrollantrag stellen - und es stehen bekanntlich Wahlen an in den östlichen Bundesländern, die zu grundlegend veränderten Regierungsmehrheiten führen könnten. Dann jedenfalls wäre ein Antrag nicht mehr ausgeschlossen."

Papier warnte vor einer weiteren Lockerung der Schuldenbremse. "Ich bin ein entschiedener Gegner der weiteren Lockerung der Schuldenbremse für den Kernhaushalt", sagte der Jurist, auch mit Blick auf das Europarecht. "Ich finde es bemerkenswert, dass vor allem Parteien, die in Migrationsfragen immer wieder auf angeblich zwingende europarechtliche Vorgaben verweisen, das EU-Recht bei Finanz- und Haushaltsfragen ignorieren. Sie sollten die Maastricht-Kriterien kennen."

Weitere Meldungen

Polizei verhindert Massenschlägerei rivalisierender Fußballfans in Thüringen

Die Polizei hat unter Einsatz einer Reihe von Beamten aus mehreren Bundesländern in der Nacht zum Samstag eine Massenschlägerei rivalisierender Fußballfans in Thüringen

Mehr
Großbritannien setzt Rückgabe-Plan für Chagos-Inseln wegen US-Kritik aus

Die britische Regierung wird ihren Plan zur Rückgabe der strategisch wichtigen Chagos-Inseln im Indischen Ozean an Mauritius wegen der scharfen Kritik von US-Präsident Donald

Mehr
Bericht: Polizei erfasste 2025 deutlich mehr Vergewaltigungsfälle

Die Polizei hat im vergangenen Jahr einem Bericht zufolge deutlich mehr Vergewaltigungsfälle erfasst als in den Jahren zuvor. Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf eine

Mehr

Top Meldungen

Schulze fordert Merz zu schneller Spritpreis-Entlastung auf

Magdeburg (dts Nachrichtenagentur) - Vor dem für Sonntag geplanten Koalitionsausschuss der Spitzen von Union und SPD mahnt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU)

Mehr
IW: Reform-Ideen würden Alleinverdiener-Ehen deutlich belasten

Köln (dts Nachrichtenagentur) - Die in der Bundesregierung diskutierten Änderungen des Ehegattensplittings und der beitragsfreien Mitversicherung würden Alleinverdiener-Ehen

Mehr
Kosten der Deutschen Bahn für Unkrautvernichtung steigen drastisch

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Kosten der Deutschen Bahn für die Bekämpfung von Unkraut im Gleisbett sind in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen. "Die Deutsche

Mehr