Zum bundesweiten Ehrentag anlässlich des 77-jährigen Bestehens des deutschen Grundgesetzes hat eine Reihe von Verbänden eine Stärkung des Ehrenamts in Deutschland gefordert. Weniger Bürokratie für die ehrenamtliche Arbeit und eine bessere Vereinbarkeit mit dem Beruf verlangten am Samstag etwa die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt sowie der Sozialverband Deutschland. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bekräftigte: "Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Demokratie."
Der "Ehrentag" wurde auf Anregung des Bundespräsidenten am Samstag zum ersten Mal begangen - er fiel damit auf den Tag der Verabschiedung des Grundgesetzes im Jahr 1949. Bundesweit luden Initiativen, Vereine, Verbände und Nachbarschaften dazu ein, gemeinsam mit anzupacken und sich für die Gemeinschaft zu engagieren. Steinmeier selbst las unter anderem gemeinsam mit seiner Frau in einer Bibliothek in Berlin-Wedding Kindern vor, half beim Gärtnern und wollte am Abend eine Senioreneinrichtung besuchen.
Das Grundgesetz zu feiern "tun wir am besten dadurch, indem wir uns gemeinsam vornehmen, etwas für das Land zu tun, für die Nachbarschaft, für die Gemeinde, für die Region", sagte Steinmeier in Berlin. Ehrenamtliche Arbeit sei "zentral wichtig" in Deutschland. Sie bringe Gewinn und mache Spaß. "Wer gedacht hat, wir seien ein Land der schlechten Laune, der hätte mich in der Woche vor dem Ehrentag durch Deutschland begleiten sollen", sagte der Präsident.
Die deutsche Botschaft in London erklärte im Portal X, Demokratie lebe "von der Beteiligung der Menschen". Daher werde der Ehrentag begangen, inspiriert von einem ähnlichen Tag in Großbritannien, dem "Big Help Out" ("Das große Aushelfen").
Ehrenamtliche in Deutschland verbringen jedoch nach Einschätzung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt immer mehr Zeit mit Bürokratie. "Ein durchschnittlich großer Verein benötigt rund 42 Tage pro Jahr oder 6,5 Stunden pro Woche für Verwaltungsaufgaben", sagte der Vorstand der Stiftung, Jan Holze, der "Rheinischen Post" vom Samstag. Dies sei "zu viel, wenn man bedenkt, dass drei Viertel aller Vereine rein ehrenamtlich, ohne hauptamtliche Unterstützung arbeiten".
Bundesweit engagierten sich rund 27 Millionen Menschen ehrenamtlich, sagte er der Zeitung. "Allerdings sind das fast zwei Millionen weniger als noch vor fünf Jahren" vor der Corona-Pandemie. Die Politik müsse dringend Bürokratie beim Ehrenamt abbauen.Â
Auch die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, forderte die Politik auf, mehr für das Ehrenamt zu tun. "Ehrenamt braucht selbst Unterstützung und ermöglichende Strukturen - vielleicht sogar künftig gesetzlich verankert", sagte Engelmeier. Wichtig sei etwa "eine bessere Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf". Denn das Ehrenamt sei "gerade in Zeiten politischer Polarisierung und gesellschaftlicher Unsicherheit ein wichtiger Teil des Fundamentes für unseren Zusammenhalt und die Stärkung der Demokratie".
Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, bezeichnete aktive Bürgerinnen und Bürger als "Motor der Demokratie". "Wer mitmacht, anpackt, etwas verändern kann", sei nicht nur zufriedener, sondern "stärkt unsere Demokratie durch Teilhabe", sagte sie der "Rheinischen Post".Â
Das Deutsche Kinderhilfswerk und der Kinderschutzbund forderten die Bundesregierung und den Bundestag auf, die Rechte von Kindern und Jugendlichen ausdrücklich im Grundgesetz zu verankern. "Gerade in Zeiten vielfältiger Krisen zeigt sich, dass ihre Interessen in politischen Entscheidungen noch immer nicht ausreichend berücksichtigt werden", erklärten die Verbände. Kinder und Jugendliche seien eine "demografische Minderheit ohne Wahlrecht" und zugleich besonders von politischen Entscheidungen betroffen - etwa bei Bildung, Armut, Gesundheit, Klimaschutz, Schutz vor Gewalt oder gesellschaftlicher Teilhabe.
Politik
Bundesweiter "Ehrentag": Verbände fordern von Politik Stärkung des Ehrenamts
- AFP - 23. Mai 2026, 16:39 Uhr
Zum bundesweiten Ehrentag anlässlich des 77. Geburtstags des deutschen Grundgesetzes hat eine Reihe von Verbänden eine Stärkung des Ehrenamts gefordert. Nötig seien eta weniger Bürokratie und eine bessere Vereinbarkeit mit dem Beruf.
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