Brennpunkte

EuGH: EU-Staaten dürfen bei Verdacht auf Scheinehe im Nachhinein ermitteln

  • AFP - 4. Juni 2026, 11:14 Uhr
Bild vergrößern: EuGH: EU-Staaten dürfen bei Verdacht auf Scheinehe im Nachhinein ermitteln
Justitia-Statue
Bild: AFP

EU-Staaten dürfen laut dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) im Nachhinein gegen aus Drittstaaten eingebürgerte Menschen ermitteln, wenn die Behörden des Landes davon ausgehen, dass die Staatsangehörigkeit durch eine Scheinehe erworben wurde.

EU-Staaten dürfen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im Nachhinein gegen aus Drittstaaten eingebürgerte Menschen ermitteln, wenn die Staatsangehörigkeit nach Einschätzung der Behörden durch eine Scheinehe erworben wurde. Zudem dürfen die Behörden auch den eigentlichen Betrug feststellen und Rechte zurücknehmen, wie der EuGH in Luxemburg am Donnerstag urteilte. 

Im konkreten Fall ging es nach Gerichtsangaben um den Staatsangehörigen eines Nicht-EU-Staates, der sich als Student in Irland niedergelassen hatte. Kurz vor Ablauf seines Aufenthaltstitels heiratete er eine EU-Bürgerin. In der Folge erhielt der Mann 2015 die irische Staatsangehörigkeit. 

Die irischen Behörden vermuteten jedoch, dass das Aufenthaltsrecht über eine Scheinehe mutmaßlich in betrügerischer Absicht erlangt worden sei. Die Justiz vertrat die Auffassung, dass die aus der Freizügigkeitsrichtlinie abgeleiteten Rechte zurückzunehmen seien. Der Betroffene focht dies an und machte geltend, dass er nicht mehr unter diese Richtlinie falle, weil er irischer Staatsbürger geworden sei. 

Das zuständige irische Gericht wandte sich in der Angelegenheit an den EuGH. Dieser entschied nach eigenen Angaben, dass "die Vorschriften zur Richtlinie zur Bekämpfung von Betrug und Rechtsmissbrauch auch auf vergangene Sachverhalte Anwendung finden". Andernfalls würde das Ziel der Bekämpfung von Scheinehen und betrügerischen Praktiken, "die oft erst spät aufgedeckt werden", beeinträchtigt, argumentierte der EuGH. 

Die Behörden der EU-Staaten dürften daher entsprechende Ermittlungen vornehmen, entschied der EuGH. Dies könne in der Folge auch dazu führen, dass dem betroffenen Menschen die erworbene Staatsangehörigkeit eines EU-Landes entzogen werde und dass dieser Mensch somit den Status als Bürger der Europäischen Union verliere.

Weitere Meldungen

Israel: Gericht erlaubt Rotem Kreuz Zugang zu Sicherheitshäftlingen

Jerusalem (dts Nachrichtenagentur) - Der Oberste Gerichtshof Israels hat das umfassende Verbot von Besuchen des Roten Kreuzes bei palästinensischen Sicherheitshäftlingen für

Mehr
Erneut mehr antisemitische Vorfälle in Sachsen-Anhalt registriert

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Sachsen-Anhalt ist 2025 erneut angestiegen. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) Sachsen-Anhalt registrierte im

Mehr
Modschtaba Chamenei: USA und Israel wollen iranische Nation "spalten"

Der oberste Führer des Iran, Modschtaba Chamenei, hat Israel und den USA vorgeworfen, die iranische Nation spalten zu wollen. Nach seiner "schweren Niederlage" im Krieg gegen den

Mehr

Top Meldungen

Linnemann warnt vor Belastung der Mittelschicht

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat davor gewarnt, bei allen Sozial- und Steuerreformen immer nur die Normal- und Besserverdiener zur

Mehr
Studie: Jede dritte deutsche Erfindung in ausländischer Hand

Köln (dts Nachrichtenagentur) - China hat seinen Einfluss auf deutsche Erfindungen zuletzt deutlich ausgeweitet. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr
Boeing-Chef sieht Konzern auf Erholungskurs

Seattle (dts Nachrichtenagentur) - Der Chef des Flugzeugherstellers Boeing, Kelly Ortberg, sieht den Luftfahrtkonzern nach schweren Jahren auf Erholungskurs. "Ich denke, wir

Mehr