Brennpunkte

EuGH erlaubt Ermittlungen bei Scheinehe-Verdacht nach Einbürgerung

  • dts - 4. Juni 2026, 11:40 Uhr
Bild vergrößern: EuGH erlaubt Ermittlungen bei Scheinehe-Verdacht nach Einbürgerung
Europäischer Gerichtshof (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Luxemburg (dts Nachrichtenagentur) - EU-Staaten dürfen auch im Nachhinein gegen eingebürgerte Menschen ermitteln, wenn die Staatsangehörigkeit nach Einschätzung der Behörden durch eine Scheinehe erworben wurde. Das entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil.

Im konkreten Fall ging es um einen Drittstaatsangehörigen, der als Student nach Irland kam und kurz vor Ablauf seines Aufenthaltstitels eine Unionsbürgerin heiratete. Infolge der Eheschließung erhielt er eine Aufenthaltskarte und erwarb später die irische Staatsangehörigkeit.

Die irischen Behörden vermuteten jedoch, dass es sich um eine Scheinehe handelte und die Aufenthaltsrechte betrügerisch erlangt worden waren. Der irische Justizminister stellte Betrug und Rechtsmissbrauch fest und vertrat die Auffassung, dass die aus der Freizügigkeitsrichtlinie abgeleiteten Rechte als von Anfang an zurückgenommen anzusehen seien. Der Betroffene legte gegen diese Entscheidungen Einspruch ein und argumentierte, dass er als irischer Staatsbürger nicht mehr unter die Richtlinie falle.

Der EuGH stellte klar, dass die Richtlinie für Unionsbürger gilt, die sich in einem anderen Mitgliedstaat aufhalten, sowie für ihre Familienangehörigen. Sie regelt jedoch nicht die Situation einer Person, die die Staatsangehörigkeit des Aufnahmemitgliedstaats erworben hat. Dennoch können die Mitgliedstaaten Maßnahmen in Bezug auf zuvor gewährte Rechte ergreifen, auch wenn die Person zum Zeitpunkt des Eingreifens der Behörden nicht mehr Begünstigter der Richtlinie ist.

Diese Befugnis müsse unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit und der Verfahrensgarantien ausgeübt werden, so die Luxemburger Richter. Demnach ist es auch möglich, zu einem späteren Zeitpunkt Konsequenzen zu ziehen, einschließlich des Entzugs der Staatsangehörigkeit und damit des Status als Unionsbürger, sofern dabei die Anforderungen des Unionsrechts eingehalten werden (Urteil des Gerichtshofs in der Rechtssache C-560/24).

Weitere Meldungen

Israel: Gericht erlaubt Rotem Kreuz Zugang zu Sicherheitshäftlingen

Jerusalem (dts Nachrichtenagentur) - Der Oberste Gerichtshof Israels hat das umfassende Verbot von Besuchen des Roten Kreuzes bei palästinensischen Sicherheitshäftlingen für

Mehr
Erneut mehr antisemitische Vorfälle in Sachsen-Anhalt registriert

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Sachsen-Anhalt ist 2025 erneut angestiegen. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) Sachsen-Anhalt registrierte im

Mehr
Modschtaba Chamenei: USA und Israel wollen iranische Nation "spalten"

Der oberste Führer des Iran, Modschtaba Chamenei, hat Israel und den USA vorgeworfen, die iranische Nation spalten zu wollen. Nach seiner "schweren Niederlage" im Krieg gegen den

Mehr

Top Meldungen

Linnemann warnt vor Belastung der Mittelschicht

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat davor gewarnt, bei allen Sozial- und Steuerreformen immer nur die Normal- und Besserverdiener zur

Mehr
Studie: Jede dritte deutsche Erfindung in ausländischer Hand

Köln (dts Nachrichtenagentur) - China hat seinen Einfluss auf deutsche Erfindungen zuletzt deutlich ausgeweitet. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr
Boeing-Chef sieht Konzern auf Erholungskurs

Seattle (dts Nachrichtenagentur) - Der Chef des Flugzeugherstellers Boeing, Kelly Ortberg, sieht den Luftfahrtkonzern nach schweren Jahren auf Erholungskurs. "Ich denke, wir

Mehr