Brennpunkte

Observation von Maddie-Verdächtigem nicht verlängert - Polizei legt Beschwerde ein

  • AFP - 10. Juni 2026, 14:36 Uhr
Bild vergrößern: Observation von Maddie-Verdächtigem nicht verlängert - Polizei legt Beschwerde ein
Christian B. 2024 vor Gericht
Bild: AFP

Ein für den deutschen Verdächtigen im Fall des 2007 verschwundenen britischen Mädchens Madeleine 'Maddie' McCann geltender Observationsbeschluss ist nach Angaben der Polizei in Kiel nicht verlängert worden. Die Maßnahmen laufen jedoch noch.

Ein für den deutschen Verdächtigen im Fall des 2007 verschwundenen britischen Mädchens Madeleine "Maddie" McCann geltender Observationsbeschluss ist nach Angaben der Polizei in Kiel nicht verlängert worden. Das teilte die Polizeidirektion in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt am Mittwoch mit. Sie habe dagegen bereits Beschwerde beim Amtsgericht eingelegt, eine Entscheidung darüber stehe noch aus.

Nach Angaben einer Polizeisprecherin ist die Observation von Christian B. bis zum 12. Juli um 00.00 Uhr bewilligt und findet bis dahin weiter statt. Abgelehnt wurde demnach eine neuerliche Verlängerung über diesen Zeitpunkt hinaus, zu den Gründen machte die Sprecherin keine Angaben.

Nicht betroffen sind demnach Anordnungen im Rahmen der gerichtlichen Führungsaufsicht. Sie legen etwa fest, dass B. eine elektronischen Fußfessel zur Aufenthaltsbestimmung tragen muss. Zu Einzelheiten der polizeilichen Observationsmaßnahmen äußerte sich die Polizeisprecherin unter Verweis auf einsatztaktische Gründe am Mittwoch jedoch nicht.

Der wegen Sexualdelikten mehrfach vorbestrafte Mann war im September aus einer Justizvollzugsanstalt in Niedersachsen entlassen worden, nachdem er eine siebenjährige Gefängnisstrafe unter anderem wegen Vergewaltigung abgesessen hatte. Mit dem Fall Maddie hatte das nichts zu tun. Inzwischen wohnt er in einer städtischen Unterkunft in Kiel.

Laut Einschätzung eines Gerichtsgutachters besteht bei B. eine große Gefahr für weitere Straftaten. Es gibt aktuell aber keine rechtliche Grundlage für freiheitsentziehende Maßnahmen. Im Rahmen der sogenannten Führungsaufsicht wurden ihm allerdings Weisungen erteilt, welche die Rückfallgefahr mindern sollen. Unter anderem muss er daher regelmäßig Kontakt zu einem Bewährungshelfer halten, dazu kommt die Fußfessel.

"Die Polizeidirektion Kiel ist im engen Austausch mit allen beteiligten Institutionen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten", erklärten die Beamten am Mittwoch. Sie erfülle unter Beachtung der Gerichtsentscheidung weiterhin ihre Aufgaben zur Gefahrenabwehr und zur Strafverfolgung. Der Sprecherin zufolge ist für die Beschwerde das schleswig-holsteinische Oberverwaltungsgericht in Schleswig zuständig.

Medienberichten zufolge kam es wiederholt zu Anwohnerprotesten, sobald die Anwesenheit von B. publik wurde. Dessen Unterbringungen in einer Unterkunft im schleswig-holsteinischen Neumünster sowie in einem Hotel in Kiel scheiterten früher deshalb. B. war zeitweise obdachlos und lebte in einer Grünanlage in Kiel. Den Berichten zufolge wurde er in dieser Zeit rund um die Uhr von Polizisten begleitet und überwacht.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig stuft B als Verdächtigen im Fall der verschwundenen Maddie ein. Das gab sie 2020 bekannt, Anklage erhob sie bisher nicht. Maddie war im Mai 2007 aus einer Ferienwohnung in Praia da Luz in Portugal verschwunden, während ihre Eltern in einem nahen Restaurant aßen. Trotz jahrelanger Suche fehlt von ihr bisher jede Spur, der Fall sorgt seit jeher für ein großes Medieninteresse.

Weitere Meldungen

Tödliche Schlägerei in Diskothek in Schleswig-Holstein: Lange Haftstrafe

Wegen der Tötung eines jungen Manns in einer Diskothek in Schleswig-Holstein ist ein 22-Jähriger zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Das

Mehr
Deutsch-Israelische Gesellschaft kritisiert Siedlergewalt

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Deutsch-Israelische Gesellschaft hat das Vorgehen israelischer Sicherheitsbehörden im Westjordanland und zudem die

Mehr
Anlagebetrug über Callcenter in Millionenhöhe: Lange Haftstrafe für Mann in Bayern

Wegen Anlagebetrugs über angebliche Tradingplattformen ist ein Mann in Bayern zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Bamberg

Mehr

Top Meldungen

US-Inflationsrate springt im Mai auf 4,2 Prozent

Washington (dts Nachrichtenagentur) - In den USA ist die Inflationsrate im Mai 2026 auf 4,2 Prozent geklettert, nach 3,8 Prozent im Vormonat. Das teilte die US-Statistikbehörde

Mehr
Gemeindebund warnt vor Maximalpositionen bei Reformgipfel

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Vor dem Reformgipfel im Kanzleramt hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund zu Kompromissbereitschaft aufgerufen. "Jetzt ist nicht die Zeit,

Mehr
Bundesregierung dämpft Erwartungen an Reform-Gipfel

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Bundesregierung hat die Erwartungen an den Reform-Gipfel mit den Sozialpartnern gedämpft, der am Mittwochabend im Bundeskanzleramt

Mehr