Gesundheit

"Hitze ist ein stiller Killer": Bundesweiter Aktionstag zu Hitzeschutz

  • AFP - 11. Juni 2026, 00:18 Uhr
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Sommerhitze in NRW
Bild: AFP

Zum bundesweiten Hitzeaktionstag in Deutschland am Donnerstag hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren neuen Leitfaden zum Schutz der Gesundheit vor Hitze vorgestellt. 'Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent - und wir bezahlen dafür mit Menschenleben.'

Zum bundesweiten Hitzeaktionstag in Deutschland am Donnerstag hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren neuen Leitfaden zum Schutz der Gesundheit vor Hitze vorgestellt. "Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent - und wir bezahlen dafür mit Menschenleben", erklärte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri Kluge. Allein in den vergangenen vier Jahren seien europaweit mehr als 200.000 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben. "Das muss ein Ende haben", forderte Kluge. "Hitze ist ein stiller Killer, aber kein unvermeidbarer."

In Deutschland gab es laut Robert-Koch-Institut im vergangenen Jahr insgesamt 2500 Hitze-Tote. Vor allem ältere Menschen und jene mit Vorerkrankungen seien betroffen gewesen. Jedes Jahr führe extreme Hitze weltweit zu einer Häufung von hitzebedingten Erkrankungen und Gesundheitsbeschwerden bis hin zu vorzeitigen Todesfällen, erklärte das Bundesumweltministerium anlässlich des Aktionstags. 

Gerade Kreislauferkrankungen träten unter dem Einfluss von Hitze häufiger auf oder verschlechterten sich. Der wachsende Anteil vulnerabler Bevölkerungsgrupen wie etwa ältere Menschen machten anhaltende Hitzeperioden "zu einer wachsenden Bedrohung für die öffentliche Gesundheit", erklärte das Ministerium. 

Der Leitfaden solle wissenschaftliche Orientierung für staatliche Akteure bieten, um Hitzeschutzaktivitäten wirksam auszurichten, erklärte das Ministerium. Er thematisiert unter anderem eine Verbesserung der lokalen Hitzewarnsysteme oder der Risikokommunikation mit vulnerablen Gruppen. Der erste WHO-Leitfaden wurde im Jahr 2008 veröffentlicht und wurde nun mit Blick auf aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis angepasst.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) wies darauf hin, dass der Schutz vor Hitze auch eine "soziale Frage" sei. "Wer keinen Garten oder Pool hat und in aufgeheizten Wohnungen in zubetonierten Stadtvierteln lebt, kann sich kaum gegen Hitze schützen", erklärte der Minister. "Was hilft, sind weniger CO2-Emissionen und mehr Vorsorge in Stadt und Land: Stadtbäume, Parks, intakte Flüsse, Wälder und Moore kühlen die Luft spürbar ab und speichern zudem Wasser."

Unter großen Bäumen sei es oft mehrere Grad kühler, erklärte Schneider: "Die Natur kann uns helfen gegen die Hitze, wenn wir sie lassen." Darum investiere die Bundesregierung "mehr als je zuvor in diese konkret spürbaren Maßnahmen gegen den Klimawandel".

Der neue Leitfaden der WHO gibt den Behörden laut Regionaldirektor Kluge "einen klaren Fahrplan an die Hand, um Vorsorgesysteme aufzubauen, die Leben retten". Partner wie die Bundesregierung und das Land Berlin wiesen bereits den Weg: "Sie zeigen, dass globale Standards, wenn sie auf allen Ebenen umgesetzt werden, zu lebensrettenden Maßnahmen vor Ort führen."

In Deutschland sind vor allem die Länder und Kommunen für den Hitzeschutz zuständig. So hat zum Beispiel der Berliner Senat im Jahr 2025 einen landesweiten Hitzeaktionsplan beschlossen. Darin enthalten sind 72 Maßnahmen, die den Hitzeschutz der Berliner Bevölkerung verbessern. Ein großer Baustein sind hierbei Kommunikationsmaßnahmen.

Berlins Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) betonte, dass große und dicht bebaute Metropolen "von den Gefahren der Sommerhitze besonders betroffen" seien. "Daher ist Berlin seit Jahren im Hitzeschutz für die Stadtbevölkerung aktiv und nimmt seine Aufgaben in der Daseinsvorsorge sehr ernst."

Europa gilt laut WHO als Weltregion, die stärker als viele andere Regionen von der Klimaerwärmung betroffen ist und folglich schon heute mit häufigen Hitzewellen zu kämpfen hat. Die meisten vorzeitigen Todesfälle aufgrund von extremer Hitze gab es in Italien, gefolgt von Spanien, Deutschland und Griechenland, wobei in Griechenland die hitzeassoziierten Todesfälle bezogen auf die Einwohnerzahl am höchsten lagen.

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