Im jahrelangen Streit um mögliche Gesundheitsrisiken des Pflanzenschutzmittels Glyphosat hat der Oberste Gerichtshof der USA zugunsten des Bayer-Konzerns aus Leverkusen entschieden. Der Supreme Court in Washington urteilte am Donnerstag, der Konzern sei nicht verpflichtet, zusätzliche Warnhinweise auf Verpackungen anzubringen, da die zuständige US-Behörde das Mittel für unbedenklich erklärt hatte. Bayer begrüßte die Entscheidung und erklärte, dadurch dürften zehntausende "Klagen abgewiesen und mögliche künftige Klagen verhindert werden".
Vor dem Supreme Court ging es um den Fall von John Durnell, der seine Blutkrebserkrankung auf die Verwendung des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup des Monsanto-Konzerns zurückführte, den Bayer 2018 übernommen hatte. Ein Gericht im US-Bundesstaat Missouri sprach dem Mann 2023 eine Entschädigung von 1,25 Millionen Dollar zu, weil ein Warnhinweis fehlte.
Die US-Umwelt- und Gesundheitsschutzbehörde EPA hatte Glyphosat allerdings als unbedenklich eingestuft. Bayer machte deshalb geltend, dass es den Bundesstaaten untersagt sei, zusätzliche Gesundheitswarnungen vorzuschreiben. Der Oberste Gerichtshof urteilte nun, die bundesweite Vorgabe in den USA habe Vorrang vor solchen der Bundesstaaten.
An der Börse in Frankfurt am Main schoss der Kurs der Bayer-Aktie nach der Entscheidung in die Höhe und notierte zeitweise um 15,69 Prozent im Plus. Der Chemie- und Agrarkonzern hat seit 2018 bereits mehr als zehn Milliarden Dollar (rund 8,8 Milliarden Euro) zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Glyphosat ausgegeben. In den vergangenen Monaten stellte Bayer weitere acht Milliarden Dollar für noch laufende Verfahren zurück.
In den USA sind mehrere zehntausend Klagen gegen die Bayer-Tochter Monsanto wegen mutmaßlicher Gesundheitsschäden des Pestizids Roundup anhängig. Monsanto strebe weiterhin einen Sammelvergleich an und hoffe auf "finale Genehmigung", erklärte Bayer dazu.
Bayer hatte die Einigung Mitte Februar verkündet. Im Rahmen des Sammelvergleichs will Monsanto über bis zu 21 Jahre insgesamt maximal 7,25 Milliarden US-Dollar auszahlen. Dafür sollten "sowohl anhängige als auch mögliche künftige Klagen" wegen des möglichen Krebs-Risikos durch Glyphosat beigelegt werden. Das Unternehmen verspricht sich durch den Vergleich Entlastung und mehr Planungssicherheit - ein "Schuldeingeständnis" sei damit nicht verbunden, hatte Bayer betont.
Die mutmaßlichen Gesundheitsrisiken durch Glyphosat sorgen schon lange für Diskussionen. Die EU-Kommission hatte im Dezember erklärt, sie wolle Pestizide wie Glyphosat künftig zeitlich unbegrenzt zulassen und damit Genehmigungsverfahren erleichtern. Umweltschützer werfen der Brüsseler Behörde von Ursula von der Leyen vor, von der Chemielobby beeinflusst zu sein.
Kritiker berufen sich auf eine Bewertung von 2015: Damals hatte die Internationale Agentur für Krebsforschung, ein Gremium der Weltgesundheitsorganisation, Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Allerdings schränkten die Experten selbst ein, dass diese Feststellung noch nicht besagt, dass die tatsächliche Anwendung zu Krebskrankheiten führt.
Wirtschaft
Oberstes US-Gericht entscheidet zugunsten von Bayer im Glyphosat-Streit
- AFP - 25. Juni 2026, 17:53 Uhr
Glyphosathaltiges Mittel Roundup im US-Handel
Bild: AFP
Im jahrelangen Streit um gesundheitliche Folgen des Pflanzenschutzmittels Glyphosat hat der Oberste Gerichtshof der USA zugunsten des Bayer-Konzerns aus Leverkusen entschieden.
Weitere Meldungen
Infrastrukturgesetz: Lob aus Wirtschaft - Kritik von Umweltschützern
Das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Gesetz zur Beschleunigung großer Bauvorhaben stößt vor dem Bundestagsvotum auf Zustimmung in der Wirtschaft. "In ganz
Mehr
Ryanair streicht Gebühr für Familiensitzplatz - allerdings "widerwillig"
Nach Kritik der britischen Wettbewerbsbehörde streicht der irische Billigflieger Ryanair in Großbritannien die Extragebühr für einen Familiensitzplatz. Eltern, die neben ihren
Mehr
DB-Chefin Palla schraubt Ziele nach unten - 80 Prozent Pünktlichkeit erst 2035
Bahn-Chefin Evelyn Palla hat die bisherigen Ziele des DB-Konzerns in Sachen Wachstum, Digitalisierung und Pünktlichkeit deutlich nach unten geschraubt. "Hauptsächlich
Mehr
__METHOD__ (line: 93) Datenbankverbindung fehlgeschlagen: User 'o13982757' has exceeded the 'max_user_connections' resource (current value: 40)






