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Starmer entschuldigt sich für jahrzehntelange Zwangsadoptionen in England und Wales

  • AFP - 2. Juli 2026, 15:09 Uhr
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Starmer mit betroffenen Aktivistinnen in seinem Amtssitz
Bild: AFP

Der britische Premier Keir Starmer hat vor dem Parlament in London eine formelle Entschuldigung der Regierung an diejenigen unverheirateten Mütter ausgesprochen, denen zwischen 1949 und 1976 geschätzt 185.000 Kinder weggenommen worden waren.

Der britische Premier Keir Starmer hat die jahrzehntelangen Zwangsadoptionen in England und Wales als "Schandfleck in unserer Geschichte" verurteilt. Starmer sprach am Donnerstag vor dem Parlament in London eine formelle Entschuldigung der Regierung an diejenigen unverheirateten Mütter aus, denen einer Untersuchung zufolge zwischen 1949 und 1976 geschätzt 185.000 Kinder weggenommen worden waren. 

"Die Schande liegt nicht bei Ihnen, sie lag niemals bei Ihnen. Sie liegt bei uns", sagte der scheidende Regierungschef "im Namen des gesamten Landes". 

Unverheiratete Mütter, darunter viele Teenager, waren durch sozialen, behördlichen und familiären Druck jahrzehntelang genötigt worden, ihre Kinder zur Adoption freizugeben. "Es tut uns zutiefst leid für die Mütter, denen gesagt wurde, sie seien ungeeignet, denen versagt wurde, sich um die Kinder zu kümmern, die sie so gern haben wollten", sagte Starmer weiter. Die Frauen hätten diesen Verlust jahrzehntelang mit sich getragen. 

Starmer würdigte die Betroffenen, die sich für eine öffentliche Entschuldigung eingesetzt hatten. Nach einem Treffen mit einer Gruppe von ihnen in seinem Amtssitz sprach er von dem "außergewöhnlichen Mut", mit dem sie ihre erschütternden Schicksale öffentlich gemacht hätten und mit dem sie "wieder und wieder für die Wahrheit gekämpft" hätten. 

"Es ist ein Schandfleck in unserer Geschichte. Mütter, viele von ihnen jung, verletzlich und ohne Unterstützung, wurden genötigt, schikaniert, oder getäuscht, damit sie dachten, sie hätten keine andere Wahl, als dass ihnen ihre Kinder weggenommen wurden", sagte Starmer. Die Zwangsadoptionen seien eingebettet gewesen "in die Systeme lokaler Behörden, ehrenamtlicher und konfessioneller Einrichtungen sowie von Gesundheits- und Sozialdiensten." 

"Kinder wuchsen in dem Glauben auf, nicht gewollt zu sein, Müttern wurde gesagt, sie seien unmoralisch", sagte Starmer. Der Staat trage die Verantwortung, weil er diese Praktiken ermöglicht habe. Es habe sich nicht um einzelne Fälle oder Versehen gehandelt. Starmer sprach von einem "systematischen Versagen". 

Andere Länder wie Irland oder Australien hatten schon in der Vergangenheit offizielle Entschuldigungen für ähnlich systematische Zwangsadoptionen ausgesprochen und den Opfern Entschädigungen gezahlt. Starmer erwähnte am Donnerstag zwar keine finanziellen Entschädigungen, kündigte aber die Einrichtung eines Online-Zugangs zu Archiven an, damit Betroffene mehr über ihre Vergangenheit und ihre Herkunft herausfinden könnten. 

Die Organisation "Movement for an Adoption Apology", die jahrelang für eine offizielle Entschuldigung gekämpft hatte, begrüßte in einer Erklärung die Worte Starmers als Anerkennung des "Lebenstraumas" der Betroffenen. Auch wenn die Entschuldigung für viele zu spät komme, bedeute es eine Anerkennung des Leides derjenigen Mütter, die noch mit dem Verlust leben müssten, wie auch des Traumas der heute erwachsenen Kinder, die adoptiert worden seien.

2016 hatte sich bereits die katholische Kirche in England für den Schmerz entschuldigt, den die Zwangsadoptionen verursacht hätten.

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