Brennpunkte

Ischinger warnt Europäer vor zu vielen US-Waffenkäufen

  • dts - 6. Juli 2026, 12:03 Uhr
Bild vergrößern: Ischinger warnt Europäer vor zu vielen US-Waffenkäufen
Wolfgang Ischinger (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

München (dts Nachrichtenagentur) - Der ehemalige deutsche Botschafter in Washington und Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, rät den europäischen Nato-Partnern davon ab, zu viele Waffen bei US-Rüstungskonzernen zu kaufen - auch wenn Donald Trump das gut gefallen würde.

Wenn man Frieden mit Donald Trump haben wolle, werde man genau das machen wollen, was Nato-Generalsekretär Mark Rutte in den letzten Wochen und Tagen versucht habe: Trump zu sagen, dass die großen US-Rüstungsfirmen ja sehr viel Geld verdienten, sagte Ischinger dem Fernsehsender "Welt". Das sei aus Trumps Sicht eine sehr erfreuliche Nachricht. "Mittel- und längerfristig kann das aber natürlich so nicht funktionieren."

Es sei im wirtschaftlichen und politischen Interesse europäischer Nato-Länder, die Investitionen in der heimischen Rüstungsindustrie zu halten, so Ischinger. Wenn man so viel mehr Geld für Verteidigung ausgebe, werde jeder Politiker, der wiedergewählt werden möchte, sagen wollen, dass dieses Geld hoffentlich nicht in Alabama oder Tennessee ausgegeben werde. "Wir wollen Arbeitsplätze hier bei uns zu Hause schaffen. Unsere Firmen sollen mehr produzieren, auch besseres, auch technologisch hochwertigeres."

Allerdings könne es durchaus sein, dass man Trump diese unbequeme Botschaft beim Nato-Gipfel noch nicht so deutlich überbringen möchte, mutmaßt Ischinger. Die Perspektive müsse sein: Wenn man mehr für Verteidigung ausgebe, dann müsse man auch mehr bei sich zu Hause ausgeben. Er könne sich vorstellen, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs das Trump morgen oder übermorgen nicht in dieser Klarheit sagen wollten. "Aber man muss es irgendwann den USA sagen. Es kann nicht so sein, dass wir sozusagen alle unsere hochwertigen Waffensysteme, so wie sich das mancher Amerikaner vorstellt, einfach weiterhin in den USA kaufen. Das wird so nicht weiter funktionieren."

Weitere Meldungen

Streit zwischen Patienten in Berliner Krankenhaus: 65-Jähriger tödlich verletzt

Bei einem Streit zwischen zwei Patienten in einem Berliner Krankenhaus ist ein 65-Jähriger tödlich verletzt worden. Ein 26-jähriger Tatverdächtiger wurde von Beamten in der

Mehr
Sachsen: Frau verliert durch KI-generiertes Video mehr als eine Million Euro

Eine Frau aus Sachsen hat durch ein KI-generiertes Video mehr als eine Million Euro verloren. Die Geschädigte aus dem mittelsächsischen Lichtenberg fiel auf ein gefälschtes

Mehr
Elf Tote durch keimverseuchte Wurst: Prozess um Skandalfirma in Hessen gestartet

Sieben Jahre nach einem Lebensmittelskandal um mit Bakterien verseuchte Fleisch- und Wurstwaren des hessischen Herstellers Wilke hat der Prozess gegen drei frühere

Mehr

Top Meldungen

DIW-Präsident für mehr Sonntagsöffnungen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, spricht sich für eine Flexibilisierung der

Mehr
Geschäftsklima im Straßenbau leicht verbessert

München (dts Nachrichtenagentur) - Das Geschäftsklima im deutschen Straßenbau hat sich im Juni etwas verbessert. Der Indikator stieg auf -25,5 Punkte, nach -27,6 Punkten im

Mehr
Deutsche Industrie verzeichnet steigenden Auftragseingang

Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - Der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ist im Mai 2026 gegenüber April saison- und kalenderbereinigt um 1,9

Mehr