Brennpunkte

Missbrauchsopfer werfen Vatikan "Verschleppen" eines Verfahrens gegen Ex-Jesuiten vor

  • AFP - 22. Juli 2026, 19:05 Uhr
Bild vergrößern: Missbrauchsopfer werfen Vatikan Verschleppen eines Verfahrens gegen Ex-Jesuiten vor
Mosaiken von Marko Rupnik in Lourdes
Bild: AFP

Mehrere mutmaßliche Missbrauchsopfer haben dem Vatikan das Verschleppen eines Verfahrens gegen den slowenischen Mosaikkünstler und Ex-Jesuiten Marko Rupnik vorgeworfen. 'Es ist haarsträubend, wie dieser Prozess verläuft', sagte die Anwältin Laura Sgro.

Mehrere mutmaßliche Missbrauchsopfer haben dem Vatikan das Verschleppen eines Verfahrens gegen den slowenischen Ex-Jesuiten Marko Rupnik vorgeworfen. "Es ist haarsträubend, wie dieser Prozess verläuft", sagte Laura Sgro, Anwältin von fünf Frauen, die dem 71-Jährigen sexuellen Missbrauch vorwerfen. Der international renommierte Theologe und Mosaikkünstler steht im Verdacht, über 30 Jahre hinweg psychische und sexuelle Gewalt gegen mindestens zwanzig Frauen ausgeübt zu haben.

"Wir haben seit neun Monaten keinerlei Informationen", kritisierte die Anwältin. "Hat der Prozess begonnen? Wenn ja, wie ist sein Stand? Warum sind diese Frauen nicht als Zeuginnen angehört worden?", fragte sie in einem Schreiben an den zuständigen Kardinal Víctor Manuel Fernández, der die kirchliche Behörde für Glaubenslehre leitet. "Meine Mandantinnen fühlen sich einmal mehr verlassen und verraten", betonte sie. 

Der Vatikan erklärte dazu, dass das Verfahren noch anhängig sei und es daher keine Informationen gebe. 

Rupnik ist dafür bekannt, riesige Mosaike in Wallfahrtsorten wie Lourdes und Fatima, aber auch in Washington gestaltet zu haben. Die Vorfälle sexueller und psychologischer Gewalt sollen sich in einer religiösen Gemeinschaft in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana zugetragen haben, die er leitete. 

Sie gelten sowohl im säkularen als auch im Kirchenrecht als verjährt. Papst Franziskus hatte jedoch die Verjährungsfrist aufheben lassen, um ein Verfahren gegen den slowenischen Geistlichen zu ermöglichen. Im vergangenen Oktober kündigte der Vatikan die Ernennung von fünf Richtern an, ohne jedoch einen Termin für den Prozess zu nennen.

Trotz einer Reform von Papst Franziskus 2019 haben mutmaßliche Missbrauchsopfer in kirchenrechtlichen Verfahren keinen Zugang zu den Akten. 

Papst Leo XIV. hat seit seiner Wahl mehrfach Opfer sexualisierter Gewalt getroffen, aber keine größeren Maßnahmen angekündigt. Sein für September geplanter Besuch in Lourdes könnte dem Fall wieder Aufmerksamkeit bescheren. Auf Bitten der Betroffenen sind die Mosaiken von Rupnik dort inzwischen abgedeckt worden. 

Rupnik war wegen einer anderen Affäre 2020 vorübergehend aus der Kirche ausgeschlossen worden. Dabei ging es um eine sexuelle Beziehung mit einer Frau, der er im Beichtgespräch die Absolution für die gemeinsam begangene Sünde erteilt hatte. 2023 schloss der Jesuitenorden Rupnik aus, weil er sich dem Gehorsamsgebot widersetzt hatte. 

Weitere Meldungen

US-Prozess gegen Maduro beginnt im Juni 2027

Die USA machen dem abgesetzten venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ab dem 1. Juni 2027 den Prozess. Ein Bundesgericht in New York setzte den Termin am Mittwoch in

Mehr
Huthi-Rebellen warnen Schiffe im Roten Meer per Funkspruch vor Angriffen

Nach der Straße von Hormus entwickelt sich die Meerenge von Bab-al-Mandab im Roten Meer zum neuen Krisenpunkt für Frachtschiffe: Die jemenitische Huthi-Miliz richteten per

Mehr
CDU-Geheimdienstexperte Henrichmann warnt vor Kooperation mit Rosatom in Lingen

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestages (PKGr), der CDU-Politiker Marc Henrichmann, hat die Zusammenarbeit mit dem russischen

Mehr

Top Meldungen

Kraftstoffpreise erneut stark gestiegen

München (dts Nachrichtenagentur) - Die Kraftstoffpreise in Deutschland sind im Vergleich zur Vorwoche erneut deutlich gestiegen. Laut einer aktuellen Auswertung des ADAC

Mehr
DIHK mahnt schnelle Umsetzung von Reiches Start-up-Strategie an

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat die neue Start-up-Strategie von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)

Mehr
Kabinett beschließt Reiches Start-up- und Scale-up-Strategie

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Das Bundeskabinett hat am Mittwoch ihre neue Start-up- und Scale-up-Strategie beschlossen. Ziel sei es, bessere Rahmenbedingungen für innovative

Mehr