Wirtschaft

Wirtschaft droht noch größerer Niedrigwasserschaden

  • dts - 10. August 2026, 11:42 Uhr
Bild vergrößern: Wirtschaft droht noch größerer Niedrigwasserschaden
Fahrwassertonnen (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Kiel (dts Nachrichtenagentur) - Die wirtschaftlichen Schäden durch das Niedrigwasser könnten wegen der zu befürchtenden Unterbrechung des durchgängigen Schiffsverkehrs auf dem Rhein noch größer ausfallen als bislang befürchtet.

"Ein solches Szenario umfassen unsere bisherigen Schätzungen nicht, eine Unterbrechung könnte sichtbar größere, überproportionale Folgen haben", sagte Nils Jannsen, Konjunkturforscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), der FAZ. Bislang hatten die Forscher des Instituts für ein 30 Tage andauerndes Niedrigwasser eine Dämpfung der deutschen Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent geschätzt.

Wie sehr diese Prognose bei einer Unterbrechung erhöht werden müsse, sei noch nicht seriös zu sagen, so Jannsen. Zu unklar sei, in welchem Ausmaß die Unternehmen alternative Versorgungswege für ihre Vorprodukte nutzen können und ob sie Produktion nachholen können.

Auslöser für die neuen Bedenken ist ein Alarmruf des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Wegen des anhaltenden Niedrigwassers und voraussichtlich weiter sinkender Pegel könne es de facto zu einer Zweiteilung des Rheins für die wirtschaftliche Nutzung kommen.

Vier Bundesländer, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland, hatten vor dem zurückliegenden Wochenende das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen aufgehoben, um mehr Güterverkehr auf der Straße zu ermöglichen. Dass dies die Situation entspannen könne, sei allerdings "illusorisch", sagte Klaus Wohlrabe, Konjunkturforscher des Münchner Ifo-Instituts, der FAZ. "Ob der Fahrer am Sonntag oder Montag fährt, bringt deswegen nicht mehr Güter in die Fabriken. Es herrscht ja ein Mangel an Fahrern, der wird sich kurzfristig nicht beheben lassen", sagte Wohlrabe. Auf die Frage, was die Politik kurzfristig tun könne, sagte er: "Kurzfristig gar nichts." Maßnahmen wie eine Vertiefung von Fahrrinnen, die aktuell diskutiert werden, wirkten erst mittelfristig.

Könnte die Bundeswehr womöglich einspringen und den Mangel an Lastwagenfahrern lindern? "Vorausgesetzt, dass die Speditionsunternehmen dafür entsprechende Entgelte bezahlen, mag das in aktueller Lage eine Option sein, sofern die Bundeswehr die Fahrer überhaupt entbehren kann", sagte der Kieler Konjunkturforscher Stefan Kooths auf Anfrage. Grundsätzlich sei es aber nicht die Aufgabe der Bundeswehr, als stille Kapazitätsreserve für die Wirtschaft bereitzustehen.

"In erster Linie müssen sich die Produktionsunternehmen auf veränderte Transportbedingungen einstellen, etwa über vermehrte Lagerhaltung oder alternative Transportwege", sagte Kooths. Auch der Staat als Infrastrukturbereitsteller der Binnenwasserstraßen habe hier eine Aufgabe, etwa in der Engpassbeseitigung und Vertiefung. "Von einer solchen realwirtschaftlichen Bail-out-Maßnahme darf somit nicht das Signal ausgehen, dass im Notfall die Bundeswehr die Kohlen aus dem Feuer holt", warnte der Ökonom.

Weitere Meldungen

DIW warnt vor Folgen von Hitzewellen für die Wirtschaft

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - DIW-Präsident Marcel Fratzscher hat vor den Folgen der Hitzewelle für die deutsche Wirtschaft gewarnt. "Wenn Menschen bei Hitze häufiger krank

Mehr
Windenergie-Verband warnt vor Ausbaustopp der Erneuerbaren

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Präsidentin des Windenergie-Verbands, Bärbel Heidebroek, kritisiert die geplanten Energiereformen der Bundesregierung. Die Regierung

Mehr
Bilger will "grüne Binnenschifffahrt" stärker fördern

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Das Bundesverkehrsministerium hat einen ersten Förderaufruf der neuen Richtlinie über Zuwendungen für eine "grüne Binnenschifffahrt"

Mehr

Top Meldungen

Studie: Nahost-Preisschock trifft vor allem ärmere Haushalte

München (dts Nachrichtenagentur) - Die Preissteigerungen infolge des Nahost-Konflikts belasten einkommensschwache Haushalte in Deutschland deutlich stärker als wohlhabende. Das

Mehr
Niedrigwasser: Handelsverband fordert dauerhafte Zulassung von Lang-Lkw

Angesichts der niedrigen Pegelstände an zahlreichen Flüssen fordert der Handelsverband Deutschland (HDE), sogenannte Lang-Lkw dauerhaft zuzulassen. Diese Lastwagen könnten

Mehr
Herrenknecht unterstützt Auswechslung des Verkehrsministers

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Unternehmer Martin Herrenknecht unterstützt die Auswechslung des Verkehrsministers. "Patrik Schnieder war eine zu schwache Besetzung für

Mehr