Politik

Wadephul wirft Russland bei Ukraine-Besuch "wahllosen Mord an Zivilisten" vor

  • AFP - 23. August 2026, 13:32 Uhr
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Wadephul (l.) und Selenskyj in Kiew
Bild: AFP

Nach massiven russischen Angriffen auf die Ukraine hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) Kiew besucht und Moskau 'wahllosen Mord an Zivilisten' vorgeworfen. Er sagte der Ukraine weitere 50 Millionen Euro humanitäre Hilfe zu.

Solidaritätsbesuch vor dem 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine: Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) ist am Samstag nach Kiew gereist und hat der Ukraine weitere 50 Millionen Euro humanitäre Hilfe zugesagt. Nach neuen massiven Angriffen warf er Russland "wahllosen Mord an Zivilisten" vor und kündigte an, mit US-Außenminister Marco Rubio über zusätzliche Luftverteidigung zu beraten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte der Ukraine bereits weitere Abfangraketen zu.

"Der Juli war der tödlichste Monat für die Ukraine seit Kriegsbeginn", erklärte Wadephul nach einem Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj im Onlinedienst X. Kreml-Chef Wladimir Putin habe bei seinem Angriffskrieg "in nichts nachgelassen". Er greife die Ukraine unerbittlich mit Raketen und Drohnen an und ziele dabei auch auf Zivilisten und zivile Infrastruktur.

Mit Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur setze Russland "abermals den Winter als Waffe ein", sagte Wadephul bei einer Pressekonferenz mit dem ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha. Deutschland werde die Ukraine deshalb bei der Vorbereitung auf den kommenden Winter unterstützen.

Die zusätzlichen 50 Millionen Euro an deutschen Hilfsgeldern gehen laut Wadephul an UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen, die besonders Menschen in den Frontgebieten unterstützen. Das Geld solle etwa dafür verwendet werden, Wohnungen instandzusetzen sowie mobile Sanitäranlagen und Heizgeräte bereitzustellen.

Weitere zehn Millionen Euro zahlt Deutschland demnach in einen Nato-Fonds ein, mit dem unter anderem Energieversorgung und Anlagen zur Drohnenabwehr finanziert würden.

Besonders dringlich sei weiterhin die Luftverteidigung. Angesichts der russischen Angriffe werde deutlich: "Es ist nicht genug", sagte Wadephul. Er führe Gespräche mit europäischen und außereuropäischen Partnern über zusätzliche Systeme. Anfang der Woche wolle er etwa mit Rubio sprechen, kündigte Wadephul an. Er setze darauf, "dass die USA weiter bereit sind, eine aktive Rolle hier auch zu spielen in den Verhandlungen mit der Ukraine".

Besonders dringend braucht die Ukraine Munition für Patriot-Luftabwehrsysteme, wie Selenskyj verdeutliche. Die Patriot-Lieferungen hätten sich seit 2023 halbiert, sagte der ukrainische Präsident in am Sonntag veröffentlichten Äußerungen vor Journalisten. 2023 habe die Ukraine noch 675 dieser Abfangraketen erhalten und 2025 nur noch 364. Für dieses Jahr rechne sie derzeit mit lediglich 264.

Macron hatte kurz zuvor eine weitere Lieferung von Abfangraketen angekündigt. Es sei "entscheidend, der Ukraine alle notwendigen Mittel zu geben, um ihren Luftraum zu verteidigen und diese Aggression abzuwehren", erklärte er nach einem Telefonat mit Selenskyj. Der französische Präsident rief auch andere Staaten zu weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine auf.

Während Wadephuls Besuch gingen die gegenseitigen Angriffe weiter. In der Ukraine starben dabei sieben Menschen, in Russland vier und auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim zwei. Wadephul war wenige Stunden nach einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih in Kiew eingetroffen, bei dem nach Behördenangaben am Freitag 16 Menschen getötet worden waren.

Während Wadephuls Besuch griff die russische Armee Kiew mitten am Tag mit einer ballistischen Rakete an. Im Bezirk Boryspil am östlichen Stadtrand wurden dabei zwei Menschen getötet. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, der Angriff habe Lastwagen gegolten, die für den Transport von Langstreckendrohnen ausgerüstet gewesen seien.

Außerdem seien Ziele mit Bezug zur ukrainischen Armee in der Region Odessa am Schwarzen Meer attackiert worden. Nach ukrainischen Angaben wurden ein Haus und Getreidesilos getroffen und drei Menschen verletzt, darunter ein 16-jähriges Mädchen.

Wadephuls Besuch fand kurz vor dem 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine am Montag statt. Die Ukraine und wichtige europäische Verbündete wollen an dem Tag über weiteren Druck auf Russland zur Beendigung des Krieges beraten.

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