Nach dem mutmaßlichen Lungenpestfall in Russland kann die Weltgesundheitsorganisation nach eigenen Angaben mangels russischer Angaben noch keine komplette Risikobewertung erstellen. "Wir haben noch nicht das vollständige Bild dieses Vorfalls und sind nicht in der Lage, eine umfassende Risikobewertung vorzunehmen", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch vor Journalisten. Es sei "essenziell", dass die russischen Behörden rasch die ihnen vorliegenden Informationen teilten.
"Zeitnahe, vollständige und transparente Informationsweitergabe im Rahmen der internationalen Vorschriften ist entscheidend, um widersprüchliche Berichte zu klären und eine genaue Bewertung möglicher Gefahren für die Öffentlichkeit zu ermöglichen", sagte Tedros in Genf. Der WHO sei "bekannt, dass die russische Regierung am 2. Oktober eine Sitzung abgehalten hat, weil sie den Verdacht hatte, dass eine Bewohnerin der Oblast Irkutsk sich mit einer gefährlichen Infektion angesteckt hatte".
Russischen Medien zufolge war in der vergangenen Woche eine 28 Jahre alte Labormitarbeiterin einer Forschungseinrichtung in Irkutsk in Sibirien an der Lungenpest gestorben. Sie soll sich durch ein zerbrochenes Reagenzglas infiziert haben. Der Nachrichtenwebsite "Menschen des Baikal" zufolge wurden rund 200 Kontaktpersonen der Laborantin unter Quarantäne gestellt.
Laut der russischen Gesundheitsbehörde Rospotrebnadsor hatte die Frau eine Lungenentzündung unbekannten Ursprungs. Die Frau sei "geimpft" gewesen und verfügte über eine "Immunität gegen die gefährlichen Infektionen, mit denen sie arbeitete". Die medizinische Überwachung von "mehr als 90 Prozent der Kontaktpersonen" sei abgeschlossen. "Es wurden keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit einer Infektionskrankheit festgestellt." Es gebe kein Risiko für eine Epidemie in Sibirien. Dazu seien knapp 5000 Tests vorgenommen worden.
Tedros forderte Aufklärung darüber, was die Behörden zur Untersuchung der Kontaktpersonen veranlasst habe. Laut Tedros hatte Russland der WHO selbst mitgeteilt, dass rund 200 Menschen unter Quarantäne gestellt worden seien.
Die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerkhove sagte in Genf: "Wir verstehen nicht, wie sie infiziert wurde." Die WHO wolle wissen, "womit sie infiziert war – erstens; und zweitens, sobald wir das wissen, wie sie infiziert wurde". Wenn eine Lungenpest "ausgeschlossen wird – woran ist sie dann tatsächlich gestorben?", sagte Van Kerkhove.
Am Mittwoch gab es Berichte über einen möglichen zweiten Lungenpest-Fall in Russland. Tedros sagte dazu, die WHO versuche, Informationen von Medien zu verifizieren, dass ein zweiter Angestellter an einer Lungenentzündung unbekannter Ursache erkrankt sei.
Kremlsprecher Dmitri Psekow sagte am Mittwoch: "Der überwiegende Teil dessen, was die Medien in diesem Zusammenhang berichten, sind Falschinformationen."
Politik
Möglicher Pestfall in Russland: WHO kann keine umfassende Risikobewertung vornehmen
- AFP - 7. Oktober 2026, 19:53 Uhr
Nach dem mutmaßlichen Lungenpestfall in Russland kann die Weltgesundheitsorganisation nach eigenen Angaben mangels russischer Angaben noch keine komplette Risikobewertung erstellen. WHO-Chef Tedros forderte von Moskau 'zeitnahe, vollständige und transparente Informationsweitergabe'.
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