Politik

EuGH: Ausweisung von verurteilten Schleusern nicht abschreckend genug

  • AFP - 15. Oktober 2026, 11:44 Uhr
Bild vergrößern: EuGH: Ausweisung von verurteilten Schleusern nicht abschreckend genug
Flaggen von EU und Ungarn
Bild: AFP

Zu Haftstrafen verurteilte Schleuser dürfen nicht einfach ausgewiesen werden. Das ist keine wirksame, abschreckende Strafe, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied. Ungarn verstieß demnach mit einer früheren Verordnung gegen seine Pflichten.

Zu Haftstrafen verurteilte Schleuser dürfen nicht einfach ausgewiesen werden. Das ist keine wirksame, abschreckende Strafe, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg am Donnerstag entschied. Ungarn verstieß demnach gegen seine Pflichten. (Az. C-521/25)

Eine Verordnung von 2023 sah in Ungarn vor, dass rechtskräftig zu Haftstrafen verurteilte ausländische Schleuser nicht ins Gefängnis kamen, sondern das Land verlassen mussten. Die Freiheitsstrafe wurde automatisch in diese sogenannte Reintegrationshaft umgewandelt, wenn ein Gericht die Ausweisung anordnete. Der Verurteilte musste Ungarn dann innerhalb von drei Tagen verlassen.

Im August 2025 wurde die Verordnung aufgehoben. 2525 Straftäter seien in den Genuss der Spezialregelung gekommen, erklärte der EuGH.

Die EU-Kommission verklagte Ungarn im Juli 2025. Sie befürchtete Risiken für die Sicherheit in der Europäischen Union und die Wirksamkeit von Grenzkontrollen und Einwanderungspolitik. Die Straftat der Beihilfe zu illegalen Einwanderung könne so unbestraft bleiben, argumentierte die Kommission.

Sie findet, dass Ungarn gegen seine Pflicht verstoßen habe, wirksame, abschreckende und angemessene Sanktionen zu verhängen. Das bestätigte der EuGH nun. Denn die eigentlich verhängte Sanktion, die Haftstrafe, werde nicht vollstreckt.

Das sei nicht abschreckend für Schleuser - sie wüssten, dass ihnen im schlimmsten Fall nur die Ausweisung drohe. Es handle sich nicht um eine angemessene Sanktion, erklärte der EuGH.

Wenn der Gerichtshof - wie hier - eine Vertragsverletzung feststellt, müssen EU-Mitgliedsstaaten sich daran halten und ihre Maßnahmen ändern. In diesem Fall ist die entsprechende ungarische Verordnung allerdings bereits aufgehoben.

Weitere Meldungen

Nach Unterbrechung: Sondierungsgespräche in Berlin wieder angelaufen

Zwei Tage nach der Unterbrechung der rot-grün-roten Sondierungen in Berlin haben Linke, Grüne und SPD am Donnerstag die Gespräche fortgesetzt. Vertreter der drei Parteien kamen

Mehr
Grüne: Geplante Tabaksteuererhöhung im europäischen Vergleich "ambitionslos"

Die Grünen im Bundestag halten die geplante Tabaksteuererhöhung nicht für ausreichend. Die Bundesregierung sei hier "ein Stück weit ambitionslos", sagte der

Mehr
Baden-Württemberg: Sonntagsfrage sieht Grüne vorn - CDU mit deutlichen Verlusten

Die Grünen in Baden-Württemberg bleiben einer neuen Umfrage zufolge stärkste Kraft in dem Bundesland. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erhebung von SWR, Südwest Presse

Mehr

Top Meldungen

Bundestags-Gutachten: Neues Energiegesetz womöglich nicht mit EU-Recht vereinbar

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat Zweifel an der Vereinbarkeit des sogenannten Netzpakets der Bundesregierung mit EU-Recht geäußert. Geplante Einschränkungen

Mehr
Europäischer Gerichtshof: Nach Betrug muss Bank verlorenen Betrag sofort erstatten

Nach einem Betrug muss die Bank dem Kunden den verlorenen Betrag sofort erstatten - auch wenn der Kunde womöglich unvorsichtig handelte. Erst danach kann die Bank wiederum gegen

Mehr
Linke kritisiert Kürzung der E-Bus-Förderung

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Linken-Chef Luigi Pantisano kritisiert die für das kommende Jahr geplanten Kürzungen der Fördermittel für den Ankauf von E-Bussen scharf. Die

Mehr