Vor einem Gericht im kenianischen Mombasa ist am Montag der Sektenführer Paul Mackenzie der Tötung von 191 Menschen schuldig gesprochen worden. Dies teilte die zuständige Richterin mit. Der selbsternannte Pastor hatte seine Anhänger aufgerufen, sich zu Tode zu hungern, um "Jesus zu begegnen". Bei einem Großteil der Opfer handelte es sich um Kinder.
Seit 2023 wurden mehr als 400 Leichen in einem Wald in der Nähe des kenianischen Küstenorts Malindi entdeckt. Vor Gericht ging es nun um 191 konkrete Todesfälle. Neben Mackenzie waren weitere mutmaßliche Mittäter angeklagt. "Ich bin der Ansicht, dass die Anklage die Schuld der 29 Angeklagten am Mord an 190 Kindern und einem Erwachsenen bewiesen hat", erklärte Richterin Diana Kavedza Mochache in Mombasa.
Mackenzie hatte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auf seiner Ranch im Shakahola-Wald extreme Fastenpraktiken "veranlasst und geleitet". Demnach gab es eine "strukturierte Hierarchie des Todes", wonach zuerst Kinder, dann Teenager und Frauen und zuletzt Männer sterben sollten. Die Kinder seien überwiegend verhungert, aber auch durch "Ersticken, Erwürgen und schwere Kopfverletzungen" getötet worden, teilten die Ankläger während des Prozesses auf Grundlage von Obduktions- und Polizeiberichten mit.
Zu der Urteilsverkündung erschienen auch Angehörige der Opfer. Der 62-jährige Francis Wanje verlor durch die Hungersekte acht Angehörige, darunter seine Tochter und zwei Enkelkinder. "Dieser Tag ist für mich ein sehr, sehr wichtiger Tag", sagte er der Nachrichtenagentur AFP vor dem Beginn der Urteilsverkündung. "Wir erwarten ein Urteil, das der ganzen Öffentlichkeit eine Lehre sein wird, damit solche Sachen nicht wieder geschehen", sagte er und kritisierte die anfängliche Tatenlosigkeit der Regierung.
Mackenzie und seine Mitangeklagten hatten in den 191 Anklagepunkten auf nicht schuldig plädiert. In separaten Verfahren wies er zudem Vorwürfe des Totschlags und Terrorismus in weiteren Fällen zurück.
Mackenzie war im April 2023 festgenommen worden, nachdem Menschenrechtsgruppen den Behörden einen Hinweis gegeben hatten und einige Anhänger des Sektenführers vor dem Verhungern gerettet werden konnten. Bei den darauffolgenden Polizeiermittlungen wurden hunderte Massengräber mit in geringer Tiefe verscharrten Leichen gefunden. Wegen der hohen Totenzahl mussten die Bergungsarbeiten zeitweise ausgesetzt werden, weil in den örtlichen Leichenhallen kein Platz mehr war.
Nachdem bekannt geworden war, das Mackenzie in der Vergangenheit zweimal festgenommen, dann aber wieder freigelassen worden war, waren in Kenia Forderungen nach strengeren Vorschriften für religiöse Vereinigungen laut geworden.
Brennpunkte
Sektenführer in Kenia der Tötung von 191 Menschen schuldig gesprochen
- AFP - 19. Oktober 2026, 18:23 Uhr
Vor einem Gericht im kenianischen Mombasa ist am Montag der Sektenführer Paul Mackenzie der Tötung von 191 Menschen schuldig gesprochen worden. Der selbsternannte Pastor hatte seine Anhänger aufgerufen, sich zu Tode zu hungern, um 'Jesus zu begegnen'.
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