Politik

Integrationsbeauftragte würdigt Anwerbeabkommen - und beklagt Diskriminierung

  • AFP - 20. Oktober 2026, 13:49 Uhr
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Fußballfans mit deutsch-türkischer Flagge
Bild: AFP

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik (SPD), hat das vor 65 Jahren geschlossene Anwerbeabkommen als Erfolgsgeschichte gewürdigt. Sie beklagte zugleich, dass Menschen mit türkischen Nachnamen weiter diskriminiert würden.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik (SPD), hat das vor 65 Jahren mit der Türkei geschlossene Anwerbeabkommen als Erfolgsgeschichte gewürdigt. Die Lebensleistung der seitdem nach Deutschland gekommenen Menschen und deren Kinder und Enkel hätten das Land mitgeprägt, sagte Pawlik am Dienstag im rbb24 Inforadio. Sie hätten Deutschland zu einem "Einwanderungsland gemacht", das heute besser sei als vor 65 Jahren.

Bei der Integration habe sich seit 1961 einiges verbessert, sagte die SPD-Politikerin. Der Zugang zu Sprach- und Integrationskursen sei heute besser, ausländische Abschlüsse würden schneller anerkannt. Deutschland verfüge inzwischen über eine etablierte Integrationsinfrastruktur, die es früher in dieser Form nicht gegeben habe. Auch die Sprachförderung sei breiter aufgestellt, etwa durch berufsbezogene Kurse, die parallel zur Arbeit besucht werden könnten.

Kritisch bewertete Pawlik allerdings die ungleichen Bildungschancen für Menschen mit Migrationsgeschichte. Die soziale Herkunft entscheide in Deutschland weiterhin maßgeblich über den Bildungserfolg. Mit Blick auf die Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie forderte sie deshalb, das Bildungssystem weiterzuentwickeln und allen Kindern bessere Chancen zu ermöglichen.

Pawlik beklagte, dass Menschen mit türkischen Nachnamen weiter diskriminiert würden. Das liegt nach ihrer Einschätzung "an Vorurteilen, die es auch in unserer Gesellschaft weiterhin gibt". Auch sei die politische Stimmung vielerorts "sehr migrationsfeindlich". Viele Menschen machten sich Sorgen, "ob sie in unserem Land eigentlich noch eine Zukunft haben und ihre Kinder hier sicher zur Schule schicken können".

Die Bundesregierung hatte am 30. Oktober 1961 mit der Türkei eine Vereinbarung zur Entsendung von Arbeitnehmern geschlossen. Grund war der hohe Bedarf an Arbeitskräften der stark wachsenden deutschen Wirtschaft. 

Bis zum Ende des Abkommens zwölf Jahre später kamen fast 900.000 türkische Arbeitnehmer nach Deutschland. Das Abkommen wird als Grundlage für die rund drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln gesehen, die heute in Deutschland dauerhaft leben.

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