Nach dem Suizid einer 14-Jährigen in den USA haben Ermittler in Hamburg einen mutmaßlichen jugendlichen Onlinesadisten festgenommen. Dem 18-Jährigen werde Mord und gefährliche Körperverletzung jeweils in sogenannter mittelbarer Täterschaft vorgeworfen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in der Hansestadt am Freitag mit. Er wurde demnach am Donnerstag in Hamburg festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Auslöser der Ermittlungen waren unter anderem Hinweise der US-Bundespolizei FBI.
Laut Staatsanwaltschaft soll der zur Tatzeit im September und Oktober noch 17-Jährige über den sozialen Netzwerk Discord in Kontakt mit der psychisch labilen 14-Jährigen gestanden und diese zu selbstverletzendem Verhalten gedrängt haben. Davon ließ er sich Videoaufnahmen schicken. Einige Tage später erhängte sich die Jugendliche in ihrem Zimmer. Ob sie auch ihren Suizid filmte, ist bislang demnach noch nicht geklärt.
Nach Ermittlerangaben soll der Beschuldigte in Verbindung mit einer Gruppierung namens Nefarious Maniac Kult (NMK) gestanden haben. Diese ist Teil eines losen weltweiten Onlinenetzwerks von Sadisten, das unter den Kürzeln 764 oder COM agiert. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Beschuldigte sich durch das Videomaterial der 14-Jährigen entweder innerhalb der Gruppe profilieren oder dadurch Zugang zum NMK erhalten wollte. Vorbestraft ist der Beschuldigte demnach nicht, die Ermittlungen laufen weiter.
Derweil wurde ein weiteres mutmaßliches Mitglied der Gruppierung NMK in Baden-Württemberg angeklagt. Es handelt sich um einen 17-Jährigen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe am Freitag mitteilte. Er soll in mindestens zwölf Fällen andere Jugendliche kontaktiert haben, um diese zu Selbstverletzungen oder sexuellen Handlungen an sich zu verleiten. Der Jugendliche wurde bereits im Herbst 2025 festgenommen.
Bei NMK handelt es sich nach Angaben der dortigen Ermittler um eine Splittergruppe innerhalb des weltweiten 764- oder COM-Netzwerks, das in den vergangenen Monaten wiederholt durch Fälle von Onlinesadismus in die Schlagzeilen geriet. Dazu gehört auch ein junger Mann mit dem Szenenamen "White Tiger", der seit Januar in Hamburg unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes vor Gericht steht. Auch er soll Jugendliche zu Gewalt gegen sich bis hin zum Suizid gedrängt haben.
Mitglieder des weltweiten Sadistennetzwerks suchen nach Behördenangaben unter anderem auf Computerspielplattformen und in sozialen Netzwerken nach psychisch labilen und vulnerablen Kindern und Jugendlichen. Die Opfer werden anschließend systematisch manipuliert und immer weiter unter Druck gesetzt, damit sie sich vor laufender Kamera selbst verletzen oder sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen.
Die Ermittlungen gegen den 18-Jährigen in Hamburg wurden nach Angaben der dortigen Staatsanwaltschaft in der vergangenen Woche durch Hinweise des FBI und des National Center for Missing and Exploited Children in den USA ausgelöst. Die mutmaßlich in den Suizid getriebene Jugendliche wohnte demnach im US-Bundesstaat Indiana. Der Beschuldigte soll diese dazu veranlasst haben, sich "massive Schnittverletzungen" zuzufügen.
Nach ihrem Suizid am 2. Oktober später soll der Beschuldigte zumindest versucht haben, an etwaige Aufnahmen von ihrem Suizid zu gelangen. Dazu soll er auch dem Umfeld der Jugendlichen gedroht haben. Gegen ihn wird deshalb auch wegen versuchter Nötigung ermittelt, dazu kommen der Vorwurf des Besitzes jugendpornografischer Inhalte.
Die identifizierten mutmaßlichen Tatopfer im Fall des Verdächtigen aus Baden-Württemberg waren nach Ermittlerangaben zwischen zwölf und 16 Jahre alt. Ihm werden unter anderem sexueller Missbrauch, gefährliche Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft und Mitgliedschaft in einer ausländischen kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Dabei geht es um mutmaßlichen Taten im März und April vorigen Jahres. Die mutmaßlichen Opfer wohnten laut Staatsanwaltschaft in Kanada, Schweden und den USA.
Der im Oktober 2025 im Landkreis Ludwigsburg Festgenommene befindet sich inzwischen vorläufig in einer Psychiatrie. Die Anklage gegen ihn erfolgte bei einer Jugendkammer des Landgerichts Heilbronn. Es muss die Anklage prüfen. Im Fall der Prozesseröffnung wird das Verfahren laut Staatsanwaltschaft wegen seines Alters ohne Öffentlichkeit stattfinden.
Brennpunkte
Nach Suizid von Jugendlicher in USA: Mutmaßlicher Onlinesadist in Hamburg gefasst
- AFP - 23. Oktober 2026, 16:02 Uhr
Nach dem Suizid einer 14-Jährigen in den USA haben Ermittler in Hamburg einen mutmaßlichen jugendlichen Onlinesadisten festgenommen. Dem 18-Jährige werde Mordes und der gefährlichen Körpeverletzung in sogenannter mittelbarer Täterschaft vorgeworfen.
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