Politik

Kritik an Linnemann-Äußerungen zu möglichen Leistungskürzungen in der Pflege

  • AFP - 29. Oktober 2026, 12:47 Uhr
Bild vergrößern: Kritik an Linnemann-Äußerungen zu möglichen Leistungskürzungen in der Pflege
Pflegerin mit einer Altenheimbewohnerin
Bild: AFP

Sozialverbände haben die Ankündigung von Gesundheitsminister Linnemann zu möglichen Leistungskürzungen in der Pflege kritisiert. Laut VDK brauchen Pflegebedürftige Verlässlichkeit 'und nicht die Gewissheit, dass am Ende ohnehin gekürzt wird'.

Sozialverbände und Patientenschützer haben die Ankündigung von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) zu möglichen Leistungskürzungen in der Pflege kritisiert. "Pflegebedürftige und ihre Angehörigen brauchen Verlässlichkeit und nicht die Gewissheit, dass am Ende ohnehin gekürzt wird", sagte die Vorsitzende des Sozialverband VdK, Verena Bentele, der "Rheinischen Post" (Freitagausgabe). Sie forderte von Linnemann, die von ihm gerade eingesetzte Expertenkommission zur Pflegereform "unabhängig" arbeiten zu lassen.

Linnemann hatte zuvor dem "Handelsblatt" gesagt, angesichts von Milliardendefiziten müssten in der Pflege rund zehn Prozent eingespart werden. Er könne dabei "nicht garantieren, dass es an der ein oder anderen Stelle keine Leistungskürzungen geben wird". Am Dienstag hatte eine von Linnemann eingesetzte Expertenkommission ihre Arbeit zu weiteren Reformen in der Pflege aufgenommen. Sie soll bis Ende Januar Vorschläge unterbreiten.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnte vor Kürzungen bei der Unterstützung pflegender Angehöriger. Schon mit den Einsparungen des Ende September im Kabinett verabschiedeten Pflegeneuordnungsgesetzes würden "die fünf Millionen Pflegebedürftigen daheim und ihre Angehörigen an den Rand des Kollapses" gebracht, sagte Vorstand Eugen Brysch der "Rheinischen Post". Weitere Kürzungen könnten dazu führen, dass "Hunderttausende von Menschen zusätzlich in Pflegeheimen versorgt werden müssten", wo es jetzt schon an Plätzen und Personal fehle.

Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe erklärte, "die Spielräume für weitere Kürzungen" seien "längst ausgereizt". An vorderster Stelle müsse "weiterhin die Versorgungssicherheit stehen, die nur durch verlässliche Rahmenbedingungen für Pflegeunternehmen, Pflegebedürftige und deren Angehörige gewahrt werden kann", erklärte VDAB-Bundesgeschäftsführer Thomas Knieling. "Die professionelle Pflege kaputtzusparen, ist kein guter Plan."

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält Einsparungen von zehn Prozent bei den Ausgaben der gesetzlichen Pflegeversicherung für "richtig und auch realistisch". Entscheidend sei, "wo gekürzt wird und wer stärker geschützt werden muss", sagte er der "Rheinischen Post". "Eine Reform nach dem Rasenmäherprinzip wäre sozial und ökonomisch falsch. Menschen mit geringen Einkommen und wenig Ersparnissen dürfen nicht die Verlierer sein." Starke Schultern müssten "mehr tragen als schwache". 

Weitere Meldungen

Berlin: Krach distanziert sich indirekt von Linken-Spitzenkandidatin Eralp

Der Berliner SPD-Chef und Spitzenkandidat Steffen Krach hat sich indirekt von seiner möglichen Koalitionspartnerin Elif Eralp (Linke) distanziert. "Wer diese Stadt regieren will,

Mehr
Europarat prangert Zustände in französischen Abschiebezentren an

Französische Abschiebezentren sind nach Ansicht des Europarats wegen der intern schlimmen Zustände einer "Pulverfässer". Die in Straßburg ansässige Institution, die sich als

Mehr
Israels Sicherheitsminister Ben Gvir fordert Festnahme der Chefs israelisch-arabischer Parteien

Zwei Tage nach der Parlamentswahl in Israel hat der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir die Festnahme der Chefs der israelisch-arabischen Parteien gefordert, denen

Mehr

Top Meldungen

Lagarde tritt im Februar vorzeitig als EZB-Präsidentin zurück

Frankfurt am Main (dts Nachrichtenagentur) - Christine Lagarde tritt am 7. Februar 2027 vorzeitig als EZB-Präsidentin zurück. Lagarde habe am Donnerstag den EZB-Rat und den

Mehr
Ölkonzerne fahren Milliardengewinne ein - Grüne und Linke fordern Übergewinnsteuer

Europäische Ölkonzerne profitieren von den hohen Preise für Rohöl aufgrund des Iran-Kriegs. Die Unternehmen Shell in Großbritannien, TotalEnergies in Frankreich und Repsol in

Mehr
Linke fordert Übergewinnsteuer und Gewinnmargendeckel

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Angesichts hoher Spritpreise fordert Linken-Fraktionschef Sören Pellmann eine Übergewinnsteuer und einen Gewinnmargendeckel für Ölkonzerne.

Mehr