Politik

Nach Midterms: Trumps Stabschefin Wiles geht - "Trumps Gehirn" Miller folgt ihr nach

  • AFP - 6. November 2026, 22:35 Uhr
Bild vergrößern: Nach Midterms: Trumps Stabschefin Wiles geht - Trumps Gehirn Miller folgt ihr nach
Wiles mit ihrem Nachfolger Miller im Hintergrund
Bild: AFP

Die Stabschefin von US-Präsident Donald Trump, Susie Wiles, verlässt nach der krachenden Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen das Weiße Haus. Ihren Leitungsposten übernimmt am Montag ihr bisheriger Stellvertreter Stephen Miller.

Die Stabschefin von US-Präsident Donald Trump, Susie Wiles, verlässt nach der krachenden Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen das Weiße Haus. Ihren Leitungsposten übernimmt am Montag ihr bisheriger Stellvertreter Stephen Miller, wie der Präsident im Onlinedienst Truth Social mitteilte. Der 41-Jährige ist in Washington als "Trumps Gehirn" bekannt. Miller gilt als rechter Hardliner und als Vordenker von Trumps harter Abschiebepolitik. 

Trump dankte Wiles für ihre "großartige Arbeit". Die 69-Jährige war maßgeblich für die Strategie der Trump-Regierung bei den Kongresswahlen verantwortlich. Auf ihre Initiative hin absolvierte der 80-jährige Präsident im Monat vor der Wahl einen Marathon von 30 Wahlkampfauftritten in 20 Bundesstaaten. Dies zahlte sich jedoch nicht aus. Einige republikanische Kandidaten distanzierten sich von dem unbeliebten Präsidenten. 

Nach Angaben eines Mitarbeiters im Weißen Haus verkündete Wiles bereits am Donnerstag ihren Rückzug aus dem Weißen Haus. Sie soll dem Präsidenten zufolge nun "in die politische Trump-Organisation wechseln". Wiles dankte Trump für sein Vertrauen und erklärte, die Arbeit für ihn und seine "Amerika-zuerst"-Politik (America first) sei "die Ehre ihres Lebens". 

Vor knapp einem Jahr hatte eine Geschichte der Zeitschrift "Vanity Fair" für Wirbel gesorgt, in der die Stabschefin Trump "die Persönlichkeit eines Alkoholikers" bescheinigte, obwohl er nicht trinkt. Trump nahm ihr dies nach eigenen Worten jedoch nicht übel.

Trump pries ihren Nachfolger Miller als einen seiner "vertrauenswürdigsten Berater". Miller arbeitet seit Trumps erster Präsidentschaftskampagne 2016 für den Republikaner. Er war Redenschreiber und beriet ihn vor allem in der Migrationspolitik. Miller steht hinter den harten Abschieberazzien der Einwanderungsbehörde ICE, an deren Rande zu Jahresbeginn zwei US-Bürger getötet wurden. Er trat schon in Trumps erster Amtszeit für Einreiseverbote für Bürger aus muslimisch geprägten Staaten wie dem Iran und dem Irak ein.

Mit Millers Ernennung geht Trump auf Konfrontationskurs zu den bei den Kongresswahlen siegreichen Demokraten. Er warf ihnen im Wahlkampf vor, wieder "massenhaft" Migranten aus Lateinamerika ins Land lassen zu wollen. Trump spricht wie Miller von einer "Invasion". Er ließ die Grenze zu Mexiko seit seiner Wiederwahl weiter abschotten und schob zahlreiche Menschen in Drittländer etwa in Afrika ab, zu denen die Migranten keinerlei Beziehung haben. 

Die Demokraten-Anführer im Kongress kritisierten Trumps Personalentscheidung scharf und kündigten eine harte Gangart gegen Miller an. Der Fraktionschef der Demokraten im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, nannte den neuen Stabschef "einen gefährlichen Fremdenhasser und rücksichtslosen Extremisten, der amerikanisches Blut an den Händen hat". Der Top-Demokrat im Senat, Chuck Schumer, bezeichnete Miller als "Architekten der barbarischsten, unmenschlichsten Maßnahmen dieser Regierung". Die Demokraten würden ihm "auf jedem Schritt des Weges entgegentreten".

Miller stammt aus einer liberalen jüdischen Familie im kalifornischen Santa Monica. Als Schüler und im Politik-Studium an der private Duke University in North Carolina verwandelte er sich in einen harten Einwanderungs-Kritiker und vertrat zunehmend identitäre Ansichten. 

Trumps frühere Sprecherin Karoline Leavitt, die weiter als Beraterin für den Präsidenten arbeitet, nannte Miller eine "perfekte Wahl" für den Job. Seinen Spitznamen "Trumps Gehirn" verdankt der neue Stabschef dem ehemaligen republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Kevin McCarthy.

Über Wiles' Ablösung wurde wegen Trumps schlechter Umfragewerte bereits seit Wochen spekuliert. US-Medien rechnen daneben auch mit der Entlassung des umstrittenen Verteidigungsministers Pete Hegseth. Trump bestritt nach der Wahl aber solche Pläne.

Unterdessen gab Justizminister Todd Blanche nach der Wahl eine Reihe von Rücktritten in seinem Ministerium bekannt. Unter anderem geht mit Harmeet Dhillon seine für Bürgerrechte zuständige Stellvertreterin. Dhillon war vor den Wahlen mit dem Versuch gescheitert, Wählerlisten von rund 30 Bundesstaaten zu erhalten. Die Trump-Regierung warf ihnen vor, widerrechtlich Migranten als Wähler zu führen. Um Entlassung bat demnach auch Jason Reding Quinones. Der bisherige Bundesanwalt in Florida sollte belastendes Material gegen Trumps Vorgänger aufspüren, die Demokraten Joe Biden und Barack Obama.

Weitere Meldungen

Hunderte Aktivisten besetzen Baustelle von Microsoft-Rechenzentrum in Amsterdam

Mehrere hundert Aktivisten haben in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam die Baustelle eines geplanten Rechenzentrums des US-Konzerns Microsoft besetzt. Die Protestierenden

Mehr
Papst Leo XIV. zum Auftakt von Südamerika-Reise in Uruguay gelandet

Papst Leo XIV. hat seinen elftägigen Besuch in Südamerika begonnen. Das Flugzeug mit dem Oberhaupt der Katholiken an Bord landete am Freitag in der uruguayischen Hauptstadt

Mehr
Schulze: CDU in Sachsen-Anhalt entscheidet "von Fall zu Fall" über AfD-Anträge

In Sachsen-Anhalt hat CDU-Landeschef Sven Schulze eine Zustimmung seiner Partei zu Anträgen der AfD im Landtag nicht generell ausgeschlossen. "Wir werden von Fall zu Fall

Mehr

Top Meldungen

Unionsfraktion will Bedingungen für Kraftwerksausschreibung ändern

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die CSU will die Kriterien für die zweite Ausschreibungsrunde für neue Kraftwerkskapazitäten ändern. Die zweite Ausschreibung müsse so lange

Mehr
Gebrauchte Diesel-Pkw warten fast 100 Tage auf Käufer

Hamburg (dts Nachrichtenagentur) - Gebrauchte Diesel-Pkw finden in Deutschland immer schwerer einen neuen Besitzer. Wagen, die im September verkauft wurden, hatten im Schnitt 98

Mehr
Gegen Preisverfall: Spanien ordnet Einlagerung von zwölf Prozent der Olivenölproduktion an

Zur Vorbeugung eines drohenden Preisverfalls wegen einer Rekordernte hat Spanien die Olivenölproduzenten des Landes angewiesen, zwölf Prozent ihrer Herstellung bis September

Mehr