Motor

Mit dem Hyundai Palisade in den kanadischen Rocky Mountains - Auf der Jagd nach dem weißen Gold

  • Benjamin Bessinger/SP-X - 6. Januar 2023, 14:35 Uhr

Natürlich gehört der Winter in den Rocky Mountains vor allem den Ski-Fahrern. Doch wer zwischen den Jahren auf dem legendären Powder Highway durch British Columbia kurvt, der erlebt schon den Weg als Ziel.

Bis weit im Süden Nieselregen und graues Grün am Straßenrand, der erste Stau spätestens am Irschenberg oder kurz vor Basel, danach allenfalls Schneematsch und ein paar weiße Flecken, die schönsten Strecken längst für den Winter gesperrt und am Ziel nicht mal ein kostenloser oder wenigstens freier Parkplatz: Nein, ein Vergnügen ist die Fahrt in den Skiurlaub beim besten Willen nicht. Zumindest nicht in unseren Breiten. Aber man muss nur ein bisschen den Blick wenden und den Horizont weiten, dann sieht die Sache schon ganz anders aus - zum Beispiel auf dem Powder Highway in kanadischen Rocky Mountains.

Unter Ski-Cracks legendär, für Winteramateure aber noch immer ein Geheimtipp, verbindet er nicht nur Pulverschnee-Paradise wie Revelstoke, Panorama, Fernie oder Kicking Horse. Die gute 2.000 Kilometer lange Runde im südlichen Teil British Columbias lockt mit Landschaften, die bereits den Weg zum Ziel machen und einen immer wieder runter von den Brettern und rein ins Auto ziehen - erst recht, wenn das Thermometer draußen oft und weit unter -20 Grad fällt. Wo das Fahren sonst im Skiurlaub allenfalls als notwendiges Übel empfunden wird, werden die Ferien so zum Roadtrip, der einen in den kleinen, meist von Bergleuten gegründeten Dörfern an jene Goldsucher erinnert, die diese Gegend hier vor über 200 Jahren besiedelt haben - nur, dass das Gold diesmal nicht glänzt und ewig hält, sondern weiß ist und vergänglich. Aber dafür haben sie davon bei teilweise mehr als zehn Metern durchschnittlichem Schneefall pro Jahr im Überfluss.

Das Auto für diesen Roadtrip ist beim gemeinen Europäer ähnlich unbekannt wie die Skiorte am Wegesrand. Denn am Flughafen in Vancouver wartet kein Audi Q7, kein BMW X7 oder Mercedes GLS und nicht einmal ein VW Atlas aus nordamerikanischer Produktion. Mit imposantem Kühlergrill und den langen LED-Leisten im frisch gelifteten Gesicht schaut stolz ein Hyundai Palisade aus der Parkreihe. Während die Koreaner bei uns mit dem Santa Fe Schluss machen, klopfen sie mit dem Palisade in Nordamerika seit gut drei Jahren lautstark an die Tür zur Oberklasse - nur dass dieses fünf Meter lange SUV-Flaggschiff selbst in der nobelsten Variante mit reichlich Lack und Leder, sechs elektrischen Einzelsitzen und allem Furz und Feuerstein kaum mehr als 50.000 Dollar kostet.

Zum Aufwärmen geht es auf dem TransCanada- Highway schnurstracks Richtung Osten. Während die Schneehöhe am Straßenrand steigt und die Temperatur fällt, verschwinden der Pazifik und das Küstengebirge rund um Whistler im digitalen Rückspiegel und vor der Windschutzscheibe bauen sich die Vorläufer der Rocky Mountains auf. Wer immer auf dieser Straße - immerhin der längste nationale Highway der Welt und damit zurecht die Number One - bleibt, der kommt nach 7.821 Kilometern und 81 Stunden reiner Fahrzeit irgendwann in St. Johns auf Neufundland raus, ist Europa damit näher als dem Ausgangspunkt und müsste den Hyundai bei einem Normverbrauch von 11,2 Litern rechnerisch immerhin zwölfmal tanken. Doch heute reicht dem standesgemäßen Sechszylinder die Erstbefüllung und nach knapp 600 Kilometern ist in Revelstoke der erste Ski-Stopp erreicht.

Obwohl der höchste Lift gerade mal auf 2.225 Meter fährt, haben sie hier die Abfahrt mit der größten Höhendifferenz in ganz Nordamerika. Dieses Pulver-Paradies mit seinen zahllosen Pisten und dem vielen Terrain daneben könnte einen mehr als eine Woche beschäftigen. Doch auch das schönste Panorama nutzt sich irgendwann ab, die Neugier wächst und mit ihr steigt das Reisefieber. Also runter von der Piste, rein ins Auto und zurück auf den Highway Number One: Durch den Mt. Revelstoke und den Glacier National Park und über den Rogers-Pass geht es weiter in die Bergmannsstadt Golden, über der sich das Skiressort von Kicking Horse ins Panorama schiebt.

Wie die meisten Wintersport-Orte in Nordamerika am Reißbrett entworfen und nicht über die Jahrzehnte gewachsen, klebt es am Rande des Yoho National Parks am Fuß dreier riesiger Bowls, wie sie hier die schüsselförmigen Täler nennen, in denen sich auch Amateure in den Tiefschnee trauen, weil er weich ist wie Watte und so trocken, dass man selbst beim unvermeidlichen Tauchgang nicht nass wird, bevor man sich wieder ausgegraben hat.

Statt weiter gen Osten auf den Hauptkann der kanadischen Rockies zu zusteuern und irgendwann doch noch in überlaufenen Plicht-Destinationen wie Lake Louise oder Banff zu landen, biegt der Powder Highway von hier aus nach Süden ab, folgt dem Columbia River und bleibt im Vorgebirge - nur, dass das hier ein bisschen imposanter aussieht als unser Allgäu. Erst recht, wenn es Frau Holle gut meint mit den Wintergästen und es tagelang durchschneien lässt.

Spätestens dann freut man sich, dass der Disponent bei der Konfiguration des Testwagens nicht gegeizt und für um die 2.000 Dollar den Allradantrieb mitbestellt hat, den es hier nur gegen Aufpreis gibt. Und dass unter den halben Dutzend Fahrprofilen ein spezielles für Eis und Schnee ist, kann auch nicht schaden, wenn der Asphalt unter einer 20 Zentimetern dicken Sahneschicht aus Pulverschnee verschwindet und man bisweilen ziemlich plötzlich bremsen muss, weil wieder ein paar Bighorn-Schafe auf die Straße springen.

Dass der V6 eher ein Leisetreter ist, stört in diesem Falle dagegen kaum. Erstens, weil er tatsächlich wie in Watte gepackt ist und sich kaum vernehmen lässt. Und zweitens, weil auch die für 3,8 Liter Hubraum eher dezenten 291 PS und 355 Nm mehr als genug sind, wenn man ohnehin nirgends schneller als 120 Sachen fahren darf und bisweilen schon Schrittgeschwindigkeit als Raserei erscheint.

Erst in Fernie gibt es den nächsten Stopp und mit jeder Fahrt zwischen dem Alpine Resort und der historischen Downtown versteht man besser, weshalb das 6.000-Seelen-Städtchen so viel Charme und Charakter hat.

Bevor man hier hängen bleibt wie so viele Aussteiger aus Europa also lieber schnell weiter und ganz im Süden die US-Grenze entlang auf dem Crowsnest Highway zur letzten Station nach Red - wo die Reise streng genommen ihren Ursprung hat. Denn an diesem nicht einmal 1.600 Meter hohen Hügel wurde 1947 der erste Skilift in ganz Kanada in Betrieb genommen und 1968 das erste Weltcup-Rennen in Nordamerika ausgerichtet. Davon können sich Promi-Destinationen wie Aspen oder Vail eine dicke Scheibe abschneiden, und Whistler erst recht - zumal sich der Ort über all die Jahre seinen verschlafenen Charme bewahrt hat und es wie überall am Powder Highway selbst an Weihnachten oder Neujahr weniger Schlangen gibt als in Europa an einem Mittwochnachmittag in der Nachsaison.

Eigentlich dreht der Powder Highway hier in Rossland am Fuß des Red Mountain wieder nach Norden ab, führt zurück nach Revelstoke und schließt so den Kreis. Doch weil es ja irgendwie wieder zurück nach Europa gehen muss und man den Inlandspisten nun wirklich keine interkontinentalen Flieger zumuten mag, nimmt der Palisade Kurs nach Westen und rollt zurück nach Vancouver. Das sind noch einmal über 600 Kilometer einsame Traumstraßen durch ein eisiges Winterwunderland, über abenteuerliche Pässe und durch tief verschneite Wälder, in denen einem oft über viele hundert Kilometer kein Auto begegnet.

Der Palisade weckt mit reichlich Platz, Prestige und jeder Menge Komfort für überraschend kleines Geld auch bei europäischen Korea-Kunden eine gewisse Begehrlichkeit. Fürs erste lässt Hyundai die zwar unbefriedigt, weil die Koreaner nicht im Traum daran denken, sich mit diesem Dickschiff den Flottenverbrauch zu versauen. Doch so ganz ungehört verhallt der Wunsch trotzdem nicht. Denn noch in diesem Jahr krönt Hyundai die Ioniq-Familie mit einem Siebener, der als gewaltiges SUV der Fünf-Meter-und-mehr-Klasse so etwas wie ein Palisade mit gutem Gewissen werden will - und fest für Europa eingeplant ist. Als reines Elektroauto schützt der dann auch das Klima und sorgt so vielleicht zumindest ein bisschen dafür, dass der Winter auch in Europa wieder zurückkommt und man für die Jagd nach dem weißen Gold nicht erst um die halbe Welt fliegen muss.

Weitere Meldungen

Effiziente Lastüberwachung: Der Weg zu mehr Effizienz im Maschinen- und Spezialtransport

Die aktuelle Situation im Maschinen- und Spezialtransport

Die Überwachung von Lasten im Maschinen- und Spezialtransport stellt eine komplexe Herausforderung dar.

Mehr
Kann ich mein Auto selber lackieren?

Sie stehen in der Garage, betrachten Ihr Auto und denken sich: "Ein frischer Anstrich könnte nicht schaden." Vielleicht hat der Lack schon bessere Tage gesehen, oder Sie

Mehr
Motorschaden in Hannover? So gelingt der Verkauf ohne Stress

Wenn der Motor streikt, stehen viele Autobesitzer vor der Frage, ob sich eine teure Reparatur wirklich lohnt. Doch es gibt eine Alternative: Mehr

Top Meldungen

Neuer Ausschuss soll Versorgungslage beobachten

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Nationale Sicherheitsrat hat offenbar einen neuen Ausschuss zur Beobachtung der Versorgungslage beschlossen. Das berichtet die "Frankfurter

Mehr
Medien fordern Schutz gegen KI-Ausbeutung

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - ARD, ZDF und mehrere Medienverbände fordern von der Politik einen Schutz gegen KI-Ausbeutung - und haben sich am Dienstag mit einem flehenden

Mehr
Studie: EU-Förderung stärkt Wachstum in strukturschwachen Regionen

Dresden (dts Nachrichtenagentur) - Die Strukturfördermittel der EU haben geholfen, in strukturschwachen Regionen das Wachstum zu fördern. Das ergab eine neue Studie der Dresdner

Mehr