Finanzen

DIW-Präsident Fratzscher erwartet Mehrwertsteuererhöhung

  • dts - 17. Februar 2026
Bild vergrößern: DIW-Präsident Fratzscher erwartet Mehrwertsteuererhöhung
Supermarkt (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Bundesbürger müssen sich nach den Worten des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, darauf einstellen, dass die schwarz-rote Koalition zur Deckung der Haushaltslöcher die Mehrwertsteuer um zwei Punkte auf 21 Prozent anhebt.

"Beide Parteien haben ihre roten Linien abgesteckt und sind offenbar nicht bereit, sie aufzugeben", sagte Fratzscher dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". "Die Union lehnt Steuererhöhungen ab, die SPD will nicht beim Sozialstaat sparen. Subventionsabbau wollen beide nicht", argumentierte der Ökonom. "Wir müssen davon ausgehen, dass es sich die Koalition am Ende leicht machen wird: Sie erhöht die Mehrwertsteuer um zwei Punkte, was 30 Milliarden Euro mehr bringen würde."

Eine Anhebung wäre nach den Worten Fratzschers allerdings "sozial fatal", denn das träfe Menschen mit geringen Einkommen überproportional stark. "Doch es ist verglichen mit den zur Verfügung stehenden Alternativen ein politisch vergleichsweise bequemer Weg", sagte er. Um das Loch von über 130 Milliarden Euro in den Jahren 2027 bis 2029 zu stopfen, seien Steuererhöhungen und der Abbau von Subventionen nötig, sagte Fratzscher.

Er plädierte unter anderem für eine deutliche Erhöhung der Grundsteuer. "Deutschland besteuert Vermögen im Vergleich zu anderen Industrieländern sehr niedrig", so der DIW-Chef. Zwar sei eine Vermögensteuer zumindest für Superreiche wünschenswert. Die dafür notwendige internationale Koordinierung sei aber derzeit kaum machbar. Anders sehe die Lage bei der Grundsteuer aus, die ebenfalls am Vermögen ansetze. "Hier gibt es ein großes Potenzial für Mehreinnahmen, Grund und Boden können schließlich nicht weglaufen", so Fratzscher.

Der DIW-Chef forderte zudem die Abschaffung oder zumindest die Kürzung klimaschädlicher Steuersubventionen, die nach seinen Angaben ein Gesamtvolumen von 60 Milliarden Euro haben. Er nannte konkret das Diesel-Privileg, die Steuerbefreiung von Kerosin und die Pendlerpauschale. "Das macht auch ökonomisch Sinn, weil sie den Wettbewerb verzerren und falsche Anreize setzen", betonte Fratzscher und fügt mit Blick auf die Pendlerpauschale hinzu: "Es ist doch völlig unsinnig, dass es sich lohnt, möglichst weit weg vom Arbeitsplatz zu wohnen." Auch das Ehegattensplitting, das den Staat rund 22 Milliarden Euro koste, sollte nach Ansicht Fratzschers abgeschafft und durch ein sogenanntes Realsplitting ersetzt werden.

Weitere Meldungen

Entscheidung zum digitalen Euro eventuell noch 2026

Frankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) - Die Bundesbank hat den digitalen Euro gegen Kritik verteidigt und eine baldige politische Entscheidung in Aussicht gestellt. "Politisch

Mehr
Bankenverband senkt Wachstumsprognose auf ein Prozent

Frankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) - Die privaten Banken in Deutschland sagen für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent voraus, 0,4 Prozentpunkte weniger

Mehr
Steuereinnahmen im Februar gestiegen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Steuereinnahmen in Deutschland sind im Februar 2026 gestiegen. Wie das Bundesfinanzministerium in seinem am Freitagmorgen veröffentlichten

Mehr

Top Meldungen

Irankrieg treibt Strompreise für Neukunden nach oben

Heidelberg (dts Nachrichtenagentur) - Der Irankrieg und seine Folgen wirken sich auf Haushalte in Deutschland aus, die einen neuen Stromvertrag abschließen wollen. Tarife für

Mehr
"Zu Unrecht schlechtgeredet": Top-Ökonom fordert neuen Tankrabatt

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Angesichts stark steigender Energiepreise spricht sich der frühere Wirtschaftsweise Peter Bofinger für staatliche Eingriffe aus. "Ich habe

Mehr
BASF-Chef: Preise und Margen auf historisch niedrigem Niveau

Ludwigshafen (dts Nachrichtenagentur) - Wenige Tage vor der Eröffnung eines neuen Chemiewerks in China räumt BASF-Chef Markus Kamieth ein, dass sich diese Milliardeninvestition

Mehr