Politik

Absage Weimers an Erweiterungsbau für Nationalbibliothek stößt auf Kritik

  • AFP - 13. März 2026, 18:11 Uhr
Bild vergrößern: Absage Weimers an Erweiterungsbau für Nationalbibliothek stößt auf Kritik
Kulturstaatsminister Weimer
Bild: AFP

Die Absage von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer an den geplanten Erweiterungsbau für die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig stößt auf Kritik. Dies sei 'eine völlig falsche Entscheidung', erklärte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Die Absage von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) an den geplanten Erweiterungsbau für die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig stößt auf Kritik. Dies sei "eine völlig falsche Entscheidung", erklärte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Freitag in Frankfurt am Main. Auch innerhalb der Bundesregierung wurde Unmut laut, die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser (SPD) nannte Weimers Entscheidung "unverständlich". Der Kulturstaatsminister rechtfertigte den Schritt mit den hohen Kosten und Veränderungen durch die Digitalisierung.

Die Nationalbibliothek hatte am Donnerstag mitgeteilt, Weimer habe sich gegen den seit Jahren geplanten Erweiterungsbau entschieden. Eine Sprecherin Weimers nannte dafür am Freitag eine Reihe von Gründen. Die Kosten für den Bau lägen trotz Senkungen gegenüber der ursprünglichen Planung "immer noch bei 100 Millionen Euro". 

Zudem zeichneten sich grundsätzliche Änderungen am bisherigen Sammelauftrag der Nationalbibliothek ab, die nach bisheriger Regelung zwei Exemplare jedes neu erscheinenden Medienwerks aufbewahren muss. Die "Modernisierungsagenda" der Bundesregierung sehe vor, dass künftig nur noch ein Exemplar gesammelt werden müsse, erklärte die Sprecherin.

Darüber hinaus verfolge Weimer Überlegungen, diese so genannte Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek künftig weitestgehend digital umzusetzen - und dies habe Auswirkungen auf den Flächenbedarf. Eine finale Entscheidung über die Definition des Sammlungsauftrags stehe aber noch aus, betonte die Sprecherin.

Deshalb sei es nun zu einer "Aussetzung" der Planung für den Erweiterungsbau gekommen, fügte sie hinzu. "Letztlich hängt das Vorhaben von den Ergebnissen der Haushaltsberatungen ab."

Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Peter Kraus vom Cleff, erklärte dazu: "Die Deutsche Nationalbibliothek gewährleistet mit ihrem Sammelauftrag die für das kulturelle Gedächtnis essenzielle Überlieferung von Büchern und Medien." 

Der Hauptgeschäftsführer wandte sich gegen einen "handstreichartigen Stopp eines bereits geplanten und dringend nötigen Erweiterungsbaus" durch Weimer. Auch wandte er sich gegen eine nur noch digitale Archivierung: "Das gedruckte Buch ist ein Kulturgut und als beständige und langlebige Form der Wissensübermittlung unabdingbar."

"Gedrucktes Kulturgut ist unersetzlich", betonte auch der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) in Berlin. "Gerade gedruckte Bücher - ebenso wie andere physische Medienformen - sind fundamentale Träger von Kultur, Wissen und Geschichte", betonte BVDM-Hauptgeschäftsführerin Kirsten Hommelhoff. "Sie sind nicht nur Inhalte, sondern auch materielle Artefakte, deren Ausgaben, Gestaltung, Haptik, Herstellungsweise und typografische Besonderheiten ein historisches Zeugnis ihrer Zeit darstellen."

"Uns ist die angespannte Haushaltslage des Bundes bewusst", sagte der Generaldirektor der Deutschen Nationalbibliothek, Frank Scholze, zu der Entscheidung Weimers und deren Begründung. Es sei jedoch gelungen, die Baukosten rund 30 Millionen Euro unter den ursprünglich bewilligten Kosten zu kalkulieren. Der Erweiterungsbau sei darauf ausgelegt, "wirtschaftlich und nachhaltig dringend benötigte Magazinflächen zu schaffen".

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Kaiser, kritisierte Weimers Schritt und mahnte: "Diese Entscheidung sollte noch einmal überdacht werden." Kaiser verwies auch auf Weimers umstrittenes Vorgehen beim Deutschen Buchhandlungspreis, das schließlich zur Absage der Verleihung geführt hatte. "Auch vor dem Hintergrund der Diskussion zur Verleihung des Buchhandlungspreises wünsche ich mir, dass die Werte, die Literatur vermittelt, wieder ein stärkeres Gewicht bekommen und das Erbe der Buchstadt Leipzig mehr gewürdigt wird."

Noch schärfere Kritik kam von Linken-Fraktionschef Sören Pellmann, der den Wahlkreis Leipzig im Bundestag vertritt. "Herr Weimer ist entweder beim Kaputtkloppen der Kultur auf den Geschmack gekommen oder er hat irgendetwas gegen Leipzig", erklärte Pellmann. "Erst die Absage des Buchhandlungspreises, jetzt geht es der Deutschen Nationalbibliothek an den Kragen: Sieben Millionen Euro Planungskosten werden einfach in den Sand gesetzt."

Weitere Meldungen

Demonstranten in Kuba randalieren in Büro von Kommunistischer Partei

Wütende Demonstranten haben in Kuba ein Büro der Kommunistischen Partei verwüstet. Im Internet verbreitete Videos zeigten, wie die Protestierenden in der Nacht in das

Mehr
Kommunalwahlen in Frankreich begonnen - Stimmungstest für Präsidentschaftswahl

In Frankreich haben am Sonntag die Kommunalwahlen begonnen, die als Stimmungstest für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr gelten. Die Wahlberechtigten bestimmen die

Mehr
Ostbeauftragte sieht noch "große Ost-West-Unterschiede" und will Frauen stärken

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), sieht noch immer "große Ost-West-Unterschiede" in Deutschland und hält ihr Amt daher weiterhin für

Mehr

Top Meldungen

Söder plant bayerischen Alleingang bei Mini-Atomkraftwerken

München (dts Nachrichtenagentur) - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert einen grundlegenden Kurswechsel beim deutschen Atomausstieg und plant den Bau moderner

Mehr
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident will Steuersenkung auf Benzin

Magdeburg (dts Nachrichtenagentur) - Mit Blick auf die gestiegenen Spritpreise an den Tankstellen fordert Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) die Bundesregierung

Mehr
75 Prozent kritisieren Bundesregierung wegen Spritpreisen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Bundesregierung stößt mit ihrem Vorgehen gegen hohe Spritpreise auf massive Kritik bei den Bürgern. Laut einer Insa-Umfrage für die "Bild

Mehr