Politik

Ungarn: Orban kämpft mit scharfen Vorwürfen an die Opposition gegen eine mögliche Niederlage

  • AFP - 10. April 2026, 13:23 Uhr
Bild vergrößern: Ungarn: Orban kämpft mit scharfen Vorwürfen an die Opposition gegen eine mögliche Niederlage
Orban im Wahlkampfendspurt
Bild: AFP

Kurz vor der Parlamentswahl in Ungarn am Sonntag hat Regierungschef Viktor Orban den Ton gegen die in Umfragen führende Opposition noch einmal drastisch verschärft.

Kurz vor der Parlamentswahl in Ungarn am Sonntag hat Regierungschef Viktor Orban den Ton gegen die in Umfragen führende Opposition noch einmal drastisch verschärft. Er warf seinen Gegnern am Freitag in einem Facebook-Post vor, "vor nichts zurückzuschrecken, um die Macht zu ergreifen" und sich mit ausländischen Geheimdiensten zu verschwören. US-Präsident Donald Trump gab ihm derweil abermals Schützenhilfe und rief die Ungarn auf, für den Rechtsnationalisten zu stimmen. Nach 16 Jahren im Amt könnten Orban und seine Fidesz-Partei am Sonntag abgewählt werden. 

Die Opposition versuche, "Chaos, Druck und eine internationale Dämonisierung zu nutzen, um die Entscheidung des ungarischen Volkes infrage zu stellen", schrieb Orban weiter. Es gebe "Gewaltandrohungen" gegen seine Anhänger, "frei erfundene Vorwürfe des Wahlbetrugs" sowie "vorab organisierte Demonstrationen" noch vor Beginn der Auszählung. 

Sein Herausforderer Peter Magyar von der Tisza-Partei, die in Umfragen unabhängiger Institute vorne liegt, reagierte mit ähnlich scharfen Vorwürfen: Die Fidesz-Partei begehe seit Monaten Wahlbetrug und kriminelle Handlungen und organisiere Geheimdienstaktionen, Desinformation und Falschmeldungen, erklärte Magyar ebenfalls auf Facebook. "Das ändert nichts daran, dass Tisza diese Wahl gewinnen wird."

Orban werde genau von den Leuten aus dem Amt entfernt werden, "die er verlassen und betrogen hat: Millionen von ungarischen Bürgern", schrieb der Oppositionsführer weiter, der bis vor wenigen Jahren selbst Fidesz-Mitglied und Teil des Systems Orban war.

US-Präsident Trump wandte sich in seinem Onlinedienst Truth Social am Donnerstagabend (Ortszeit) direkt an die Ungarn. "Geht raus und stimmt für Viktor Orban. Er ist ein echter Freund, Kämpfer und Sieger und hat meine komplette und totale Unterstützung für die Wiederwahl als Ministerpräsident von Ungarn", erklärte Trump. 

Orban regiert Ungarn ununterbrochen seit 2010, als er zum zweiten Mal in Budapest an die Macht kam. Er ist der engste Verbündete von US-Präsident Trump in der EU - und auch von dessen russischem Kollegen Wladimir Putin. Am Dienstag war US-Vizepräsident JD Vance nach Budapest gereist, um Orban im Wahlkampf zu unterstützen, wie schon zuvor im Februar US-Außenminister Marco Rubin. 

Mit Brüssel liegt Orban häufig über Kreuz, immer wieder torpedierte er Entscheidungen, die innerhalb der Union einstimmig gefällt werden müssen. EU-Partner werfen ihm seine Nähe zu Russland, seine Blockadehaltung in der Ukraine-Politik, Korruption sowie Defizite bei der Rechtsstaatlichkeit vor. Experten gehen davon aus, dass auch Russland versucht, die Wahl zugunsten Orbans zu beeinflussen. 

In den 16 Jahren seiner Regierungszeit ließ Orban unter anderem die Wahlgesetzgebung zugunsten seiner Fidesz-Partei ändern. Auch die Medienlandschaft in Ungarn hat sich unter seiner Regierung grundlegend verändert. Viele unabhängige Medien mussten schließen, andere wurden von Orban-Verbündeten aufgekauft und zu Fidesz-Sprachrohren.

Während die ungarische Opposition befürchtet, dass Orban das Wahlergebnis im Falle einer Niederlage nicht anerkennen wird, zeigten sich Abgeordnete des Europarats kürzlich besorgt über den "toxischen" Charakter des Wahlkampfs. Dieser sei durch "Hetzpropaganda" der Regierung Orban geprägt, hieß es.

paj/ju

Weitere Meldungen

Reiche für Direktzahlung zur Unterstützung von Pendlern in der Spritpreiskrise

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hält direkte Finanzhilfen für Pendlerinnen und Pendler zur Entlastung von den stark gestiegenen Kraftstoffpreisen für

Mehr
"Arbeitsgespräch" bei Klingbeil: "Wertvoller Input" für Koalitionsausschuss

Beim Treffen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) mit Vertreterinnen und Vertretern von Gewerkschaften und Unternehmensverbänden sind laut einer Ministeriumssprecherin

Mehr
Warten in Islamabad: USA und Iran sollen über Ende des Krieges verhandeln

Es wären die hochrangigsten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran seit Jahren: In Pakistans Hauptstadt Islamabad liefen am Freitag die Vorbereitungen für ein

Mehr

Top Meldungen

Reiche will Rente an Lebenserwartung koppeln und lehnt höhere Spitzensteuer ab

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich mit mehreren Vorschlägen zur Sozial- und Steuerpolitik klar gegen den Koalitionspartner SPD gestellt. In einem

Mehr
IEA warnt vor Diesel- und Kerosin-Engpässen und ist für Tempolimit

Paris (dts Nachrichtenagentur) - Der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, befürchtet Diesel- und Kerosin-Engpässe in Europa. "Wenn sich die Lage nicht

Mehr
Spritpreise: Task Force erhält erst kommende Woche Prüfergebnisse

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die von den Koalitionsfraktionen eingesetzte Task Force zur Entlastung bei den Spritpreisen wird angeforderte Prüfergebnisse der

Mehr