Politik

Krise beim britischen Rundfunk: BBC streicht bis zu 2000 Stellen

  • AFP - 15. April 2026, 21:26 Uhr
Bild vergrößern: Krise beim britischen Rundfunk: BBC streicht bis zu 2000 Stellen
Les suppressions d'emplois font suite à plus d'un demi-milliard de livres d'économies au cours des trois dernières années
Bild: AFP

Die britische Rundfunkanstalt BBC will bis zu 2000 Stellen streichen. Interimschef Rhodri Talfan Davies teilte am Mittwoch mit, Einzelheiten müssten noch ausgearbeitet werden, 'aber die Gesamtzahl der Arbeitsplätze wird um 1800 bis 2000 sinken'.

Die britische Rundfunkanstalt BBC will bis zu 2000 Stellen streichen - fast zehn Prozent ihrer Belegschaft. In einer Mitteilung an die Mitarbeiter erklärte Interimschef Rhodri Talfan Davies am Mittwoch, Einzelheiten müssten noch ausgearbeitet werden, "aber die Gesamtzahl der Arbeitsplätze wird um 1800 bis 2000 sinken". Die BBC stehe unter "erheblichem finanziellen Druck, auf den wir zügig reagieren müssen".  

Laut einer der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Mail, welche die BBC an ihre Mitarbeiter verschickte, sollen "in den kommenden beiden Jahren" 500 Millionen Pfund (575 Millionen Euro) von jährlich insgesamt fünf Milliarden Pfund Betriebskosten eingespart werden. Die BBC hatte kürzlich mitgeteilt, sie müsse Wege finden, um in den kommenden drei Jahren zehn Prozent ihrer Kosten zu streichen. Laut ITV News und der Nachrichtenagentur PA handelt es sich um die größte Entlassungswelle seit fast 15 Jahren.

BBC wie die gesamte Medienlandschaft sind mit mehreren Herausforderungen konfrontiert, darunter geänderte Nutzergewohnheiten und Künstliche Intelligenz. Der BBC-Interimschef verwies auf "eine Inflation der Produktionskosten", einen Rückgang der Einnahmen sowie eine weiter instabile Weltwirtschaft.  

Die Schwierigkeiten der BBC verschärften sich zuletzt zudem durch einen Rückgang der Einnahmen aus der Rundfunkgebühr. Das System wird in Großbritannien zunehmend grundsätzlich in Frage gestellt, zudem häufen sich die Betrugsfälle. Diese Gebühr beträgt derzeit 174,50 Pfund (rund 200 Euro) pro Jahr. Im März teilte die BBC mit, die Einnahmen aus der Gebühr seien seit 2017 inflationsbereinigt um 24 Prozent zurückgegangen.

Die BBC steckt auch wegen einer Verleumdungsklage von Donald Trump in der Krise. Der US-Präsident fordert mindestens zehn Milliarden Dollar Schadenersatz wegen einer von der BBC ausgestrahlten Dokumentation, in der Ausschnitte aus Trumps Rede vom 6. Januar 2021 so zusammengeschnitten worden waren, dass der Eindruck entstand, er habe seine Anhänger direkt zum Sturm auf das Kapitol aufgerufen. Der Prozess in den USA soll im Februar 2027 beginnen. 

Der damalige BBC-Generaldirektor Tim Davie und Nachrichtenchefin Deborah Turness hatten nach Trumps Beschwerde ihren Rücktritt erklärt. Inhaltlich wiesen sie seine Vorwürfe jedoch zurück. Die BBC hatte daraufhin angekündigt, sich juristisch gegen die Verleumdungsklage zu wehren.

Im kommenden Monat, am 18. Mai, tritt der neue BBC-Generaldirektor Matt Brittin, ein ehemaliger Google-Manager, sein Amt an. Der Brite übernimmt das Ruder bei der Rundfunkanstalt mit ihren rund 21.500 Beschäftigten in einem schwierigen Moment. 

Weitere Meldungen

Netanjahu: USA und Israel verfolgen beim Iran "identische Ziele"

Israel und die USA verfolgen gegenüber dem Iran aus Sicht des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu dieselben Ziele. "Unsere amerikanischen Freunde halten uns

Mehr
Papst ruft bei Ankunft in Kamerun zur Achtung der Menschenrechte auf

Papst Leo XIV. hat zum Auftakt seines dreitägigen Besuchs in Kamerun bei einem Treffen mit Präsident Paul Biya die Achtung der Menschenrechte gefordert. "Sicherheit ist eine

Mehr
Gesundheitliche Gründe: Van Aken gibt Parteivorsitz im Juni ab

Rückzug aus gesundheitlichen Gründen: Linken-Ko-Chef Jan van Aken wird sich beim anstehenden Parteitag nicht zur Wiederwahl stellen. "Aus gesundheitlichen Gründen muss ich mein

Mehr

Top Meldungen

IGES: Warkens Modell reduziert Einsparungen bei Familienversicherung

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Das geplante Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) für die gesetzlichen Krankenkassen könnte bei einem zentralen Punkt deutlich

Mehr
Merz verspricht Lufthansa Bedingungen für Wachstum der Branche

Frankfurt am Main (dts Nachrichtenagentur) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will trotz der Herausforderungen des menschengemachten Klimawandels weiterhin auf Wachstum in der

Mehr
IW: Stimmung in der Wirtschaft noch schlechter als vor einem Jahr

Köln (dts Nachrichtenagentur) - Die Stimmung deutscher Unternehmen ist noch schlechter als vor einem Jahr. Dies geht aus einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der

Mehr