Politik

Fachleute im Bundesumweltministerium: Mini-Atomkraftwerke sind unwirtschaftlich

  • AFP - 20. April 2026, 09:52 Uhr
Bild vergrößern: Fachleute im Bundesumweltministerium: Mini-Atomkraftwerke sind unwirtschaftlich
Warnung vor radioaktiver Strahlung
Bild: AFP

Fachleute im Bundesumweltministerium (BMUKN) halten laut SWR sogenannte Mini-Atomkraftwerke für unwirtschaftlich. Sie hätten weitgehend die gleichen Risiken wir größere Akw und seien gemessen an der erzeugten Strommenge mutmaßlich teurer als diese.

Fachleute im Bundesumweltministerium (BMUKN) halten sogenannte Mini-Atomkraftwerke für unwirtschaftlich. In einem internen Papier widersprechen sie laut einem Bericht des Senders SWR vom Montag gegensätzlichen Einschätzungen unter anderem von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ein Ministeriumssprecher bestätigte dem SWR demnach die Existenz dieser fachlichen Bewertung.

Eine Kernaussage des BMUKN-Papiers ist laut SWR, dass sich an den grundlegenden Risiken von Atomkraftwerken durch den Bau kleinerer Anlagen nichts ändere. Auch hätten "Mini-AKW" anders als vielfach dargestellt gegenüber herkömmlichen AKW keinen Kostenvorteil, eher im Gegenteil. Um die Leistung eines großen Reaktors zu erreichen, müssten etwa vier kleine Kernkraftwerke gebaut werden, von denen jedes einzelne die hohen Sicherheitsstandards erfüllen müsse.

Ohne massive staatliche Förderung gäbe es für die sogenannten "Small Modular Reactors" (SMR) auch bisher keinen Markt, denn ein Kostenvorteil durch die "modulare Bauweise", also industrielle Vorfertigung, würde erst bei einer Massenproduktion greifen. Diese sei derzeit jedoch nicht in Sicht. Wahrscheinlich seien am Ende "die Kosten pro Megawatt Leistung sogar höher" als bei konventionellen AKW.

Zudem würden durch die für SMR nötigen staatlichen Subventionen Mittel abgeschöpft, die an anderer Stelle für den Klimaschutz benötigt würden, heißt es laut SWR in dem Papier. Außerdem käme die noch nicht ausgereifte SMR-Technologie zu spät für die zeitnah erforderliche Energiewende. Insgesamt kommt das Bundesumweltministerium demnach zu dem Ergebnis, dass es "weder zum Durchbruch der SMR-Technologie kommen wird noch eine öffentliche Förderung derartiger Konzepte sinnvoll ist".

Die "Mini-Akw" werden von Atomkraftbefürwortern als Option beworben, um Atomkraft zu geringeren Risiken und Kosten anwenden zu können. Nach Einschätzung der EU-Kommission könnten sie künftig den europäischen Energiemix ergänzen, um Klimaziele zu erreichen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. 

Auf deutscher Seite gibt es dazu keine konkreten Pläne, allerdings auch Stimmen, die für ein solches Modell werben, unter anderem von CSU-Chef Markus Söder. Auch aus dem von Katherina Reiche (CDU) geführten Bundeswirtschaftsministerium wird gefordert, die SMR-Technologie zu prüfen. Reiche wird von Umweltverbänden vorgeworfen, zugleich den Ausbau erneuerbarer Energien ausbremsen zu wollen.

Weitere Meldungen

Klima-Allianz: Energiewende in aktueller Krise entschlossen vorantreiben

Im Vorfeld des Petersberger Klimadialogs in Berlin hat die Klima-Allianz Deutschland dazu aufgerufen, die Energiewende national und international entschlossener voranzutreiben.

Mehr
Warkens Reformpläne im Kreuzfeuer: Sozial- und Ärzteverbände fordern Änderungen

Die Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) für eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stoßen auf breiten Widerstand. Vor einer für den Montag

Mehr
Bulgarien: Bündnis von russlandfreundlichem Ex-Präsidenten Radew gewinnt Parlamentswahl

Das Mitte-links-Bündnis des russlandfreundlichen Ex-Präsidenten Rumen Radew hat nach Angaben der Wahlkommission die Parlamentswahl in Bulgarien gewonnen. Nach Auszählung fast

Mehr

Top Meldungen

Exporte in den Iran im Jahr 2025 deutlich gesunken

Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - Im Jahr 2025 sind Waren im Wert von 961,6 Millionen Euro von Deutschland in den Iran exportiert worden. Damit sanken die Exporte dorthin

Mehr
Deutliche Schwankungen bei Erzeugerpreisen im März

Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte sind im März 2026 um 0,2 Prozent niedriger gewesen als im März 2025. Wie das Statistische Bundesamt

Mehr
Auftragsbestand der Industrie im Februar gewachsen

Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - Der reale Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ist im Februar 2026 gegenüber Januar 2026 saison- und kalenderbereinigt um

Mehr