Wirtschaft

Iran-Krieg: Bundesregierung halbiert Wachstumsprognose für 2026

  • AFP - 22. April 2026, 16:59 Uhr
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Wirtschaftsministerin Reiche in Berlin
Bild: AFP

Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr angesichts des Iran-Kriegs halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt werde 2026 um 0,5 Prozent zulegen, erklärte Bundeswirtschaftministerin Reiche (CDU).

Die Preissteigerungen durch den Iran-Krieg schmälern das Wirtschaftswachstum in Deutschland deutlich: Statt wie noch Ende Januar angenommen um 1,0 Prozent wird für das laufende Jahr nur noch eine Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent erwartet, wie aus der am Mittwoch von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vorgestellten Frühjahrsprojektion hervorgeht. Bei der Inflation wird hingegen ein stärkerer Anstieg erwartet. 

Bei der Teuerung der Verbraucherpreise gebe es eine "deutliche Aufwärtsrevision" sagte Reiche in Berlin. Konkret wird in der Frühjahrsprojektion der Bundesregierung bei der Inflation nun ein Wert von 2,7 Prozent für das laufende Jahr erwartet - deutlich mehr als die in der Herbstprojektion für 2026 angenommenen 2,0 Prozent.

Im Jahr 2027 erreicht die Teuerungsrate der aktuellen Projektion zufolge dann 2,8 Prozent. Für private Haushalte bedeute die höhere Inflation, "dass die reale Kaufkraft in diesem Jahr weniger deutlich steigen wird, als wir es noch im Januar erwartet haben", sagte Reiche. Hauptsächlich getrieben werde dies durch die Energiepreise. Zu erwarten seien im Verlauf aber vermutlich auch Steigerungen "zum Beispiel bei Lebensmittelpreisen".

Nach unten korrigiert wurde auch die Erwartung an das BIP-Wachstum im kommenden Jahr: Für 2027 werden nun 0,9 Prozent angenommen. Grundsätzlich stelle sich die Ausgangslage für die wirtschaftliche Entwicklung "derzeit ungünstiger dar als noch zur Jahreswende erwartet", erklärte das Wirtschaftsministerium und verwies auf die "faktische Sperrung" der Straße von Hormus, die ein wichtiges Nadelöhr für die globale Schifffahrt ist. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hänge "wesentlich von den Entwicklungen des Konfliktes im Nahen Osten ab" und sei mit "erheblichen Ungewissheiten" verbunden.

Eine Stütze für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland ist demnach weiterhin der private Konsum - trotz der Kaufkraftverluste infolge des Energiepreisschocks. Außerdem tragen die staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung zur Belebung bei. Die deutsche Exportentwicklung bleibt nach Ministeriumsangaben hingegen "schwach, auch aufgrund einer verminderten Wettbewerbsfähigkeit".

Auch Reiche mahnte am Mittwoch erneut "zügige und entschlossene Reformen" an, um die Grundlage für künftiges Wachstum und Wohlstand zu schaffen. An Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger könne nur das wiedergegeben werden, "was vorher erwirtschaftet wurde", betonte sie. 

"Die Krise darf uns den Blick nicht verstellen, was wir ohnehin tun müssen", hob Reiche hervor. Die Wettbewerbsfähigkeit stehe unter "erheblichem Druck" und die privaten Investitionen seien "schwach". Zudem würden die Auswirkungen des demografischen Wandels mit einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung immer spürbarer. Mögliche Stellschrauben sind nach Angaben der Ministerin Anpassungen bei der Lebensarbeitszeit sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch die Lohnnebenkosten müssten "perspektivisch reduziert" werden. 

Deutschland müsse sich "auch inmitten dieses Energiepreisschocks" um "strukturelle Standortnachteile" kümmern, sagte Reiche. Das Zeitfenster bis zur Sommerpause müsse genutzt werden, um "eben jene dicken Bretter zu bohren, die notwendig sind, damit wir wieder auf einen soliden Wachstumspfad kommen".

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) erklärte, dass der Krieg im Nahen Osten den Druck auf die Unternehmen nochmal "enorm" verstärke. Diese hätten aber auch schon vor dem Krieg unter "hohen Standortkosten, strukturellen Defiziten und handelspolitischen Konflikten" gelitten, teilte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov mit. Reformvorschläge lägen auf dem Tisch, auch bei den sozialen Sicherungssystemen. "Die Politik braucht jetzt den Mut für eine beherzte Umsetzung", forderte Melnikov. "Deutschland kann sich ein weiteres Jahr Stillstand nicht leisten."

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) drängte ebenfalls auf Reformen. "Der Reformstau gefährdet Deutschlands Mittelstand und Handwerk massiv und damit das Rückgrat der deutschen Wirtschaft", kritisierte ZDH-Präsident Jörg Dittrich. Es drohe "nicht nur ausbleibendes Wachstum, sondern ein nachhaltiger Abstieg der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit dieses Landes".

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