Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) über den Iran-Krieg spitzt sich weiter zu: Trump hat am Mittwoch eine mögliche Reduzierung der US-Truppenstärke in Deutschland in Aussicht gestellt. "Die USA prüfen und evaluieren derzeit eine mögliche Verringerung der Truppenpräsenz in Deutschland", erklärte Trump am Mittwoch in seinem Onlinedienst Truth Social. "Eine Entscheidung soll in Kürze getroffen werden", fügte er hinzu. Merz hatte zuletzt mit Kritik am Iran-Krieg den Unmut Trumps auf sich gezogen.
Im Jahr 2024 waren in Deutschland mehr als 35.000 US-Soldaten stationiert, wie der Recherchedienst des US-Kongresses mitteilte. Inzwischen wird die Zahl jedoch für höher gehalten, in deutschen Medien ist von nahezu 50.000 US-Soldaten die Rede.
Während seiner beiden Amtszeiten hat Trump als Teil seiner Kritik an der Nato wiederholt damit gedroht, die Zahl der US-Truppen in Deutschland und anderen europäischen Ländern drastisch zu verringern. Seit dem Iran-Krieg haben sich diese Drohungen gegen Verbündete verstärkt.
Wenige Stunden vor Trumps Äußerungen hatte US-Außenminister Marco Rubio nach Angaben aus Washington mit Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) telefoniert. Rubio und Wadephul hätten über den Iran und die Bedeutung der Sicherung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus gesprochen, erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums, Tommy Pigott.
Am Montag hatte Merz bei einer Schulveranstaltung in Nordrhein-Westfalen mit Blick auf die USA gesagt, "da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung". Der Bundeskanzler sagte zudem, "die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie". Merz bezeichnete "diese Geschichte" als "zumindest unüberlegt" und betonte, er "erkenne im Augenblick nicht, welchen strategischen Exit die Amerikaner jetzt wählen, zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln oder eben sehr geschickt nicht verhandeln".
Daraufhin hatte Trump den Kanzler am Dienstag scharf attackiert. Auf Truth Social erklärte er: "Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hält es für in Ordnung, wenn der Iran Atomwaffen hat. Er weiß nicht, wovon er spricht!" Wenn der Iran Atomwaffen hätte, würde er "die gesamte Welt als Geisel nehmen". Trump hob hervor: "Kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!"
Am Mittwoch erneuerte Merz seine Kritik am Iran-Krieg. Der Krieg habe "unmittelbare Auswirkungen auf unsere Energieversorgung" und "massive Auswirkungen auf unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit", sagte der Kanzler in Berlin. "Insofern dränge ich darauf, dass dieser Konflikt beigelegt wird." Er habe "von Anfang an Zweifel gehabt an dem, was mit dem Iran-Krieg dort begonnen wurde. Und deswegen habe ich das auch zum Ausdruck gebracht."
Der Streit zwischen Merz und Trump könnte eine Abkehr von dem früher demonstrativ freundschaftlichen Verhältnis zwischen den beiden Staatenlenkern bedeuten. Merz betonte am Mittwoch dennoch, sein persönliches Verhältnis zu Trump sei "unverändert gut".
Der Bundeskanzler hatte sich in der Vergangenheit eines guten Verhältnisses zum US-Präsidenten gerühmt. Bei seinem jüngsten Treffen mit Trump im Weißen Haus Anfang März betonte Merz demonstrativ Gemeinsamkeiten mit Blick auf den Iran-Krieg. Deutschland und die USA seien sich völlig einig über "dieses schreckliche Regime" der Mullahs. Merz äußerte im Oval Office aber auch die Hoffnung, dass der Krieg "so bald wie möglich" enden möge. Der Krieg schade der Wirtschaft, sagte er zur Begründung. Er verwies auf die gestiegenen Öl- und Gaspreise
Der US-Präsident nannte Merz bei dessen Besuch einen "Freund" und "exzellenten" Politiker, den er "in sehr interessanten Zeiten" treffe. "Unsere Länder kommen gut miteinander aus", sagte Trump im März. Der Kanzler war der erste europäische Regierungsvertreter, der nach Beginn des Iran-Kriegs mit Trump zusammenkam.Â
Die USA und Israel hatten Ende Februar mit Luftangriffen den Iran-Krieg begonnen. Teheran reagierte darauf mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region. Vor allem Energieinfrastruktur wurde dabei schwer beschädigt. Auch die Blockade der Straße von Hormus stellt Staaten weltweit vor Probleme: Seit Kriegsbeginn ist die für die weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte wichtige Meerenge durch das iranische Militär de facto weitgehend gesperrt. Der Ölpreis stieg steil an.
Brennpunkte
Trump: USA erwägen Reduzierung ihrer Truppenstärke in Deutschland
- AFP - 30. April 2026, 01:13 Uhr
Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) über den Iran-Krieg spitzt sich weiter zu: Trump hat am Mittwoch eine mögliche Reduzierung der US-Truppenstärke in Deutschland in Aussicht gestellt.
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