Technologie

Kulturstaatsminister Weimer will Tiktok "in europäische Hände legen"

  • AFP - 12. Mai 2026, 15:36 Uhr
Bild vergrößern: Kulturstaatsminister Weimer will Tiktok in europäische Hände legen
Tiktok-Logo auf einem Smartphone
Bild: AFP

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hat einen Verkauf der europäischen Geschäfte der Videoplattform Tiktok an europäische Eigentümer gefordert. Die EU-Kommission erteilte ihm eine Absage.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hat gefordert, "das Europageschäft von Tiktok in europäische Hände" zu legen. Die EU solle dem Beispiel der USA folgen, sagte er am Dienstag in Brüssel: "Die Amerikaner haben das auf eine sehr kluge Weise gelöst, auch im Einvernehmen mit Bytedance", dem chinesischen Mutterkonzern der Videoplattform Tiktok. Die EU-Kommission erteilte Weimers Forderung eine Absage.

Tiktok hat sein US-Geschäft auf Druck aus Washington auf ein Joint Venture mit einer US-Mehrheitsbeteiligung übertragen. Bytedance hält 19,9 Prozent daran, zu den weiteren Anteilseignern gehören die US-Unternehmen Oracle und Silver Lake sowie MGX aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. 

Ein Sprecher der EU-Kommission wies die Forderung Weimers zurück: Die Kommission schaue "nicht auf die Eignerstruktur, nicht auf die Herkunft" von Digitalkonzernen. Die EU werde stattdessen ihre bestehenden Gesetze durchsetzen. Dazu gehört das Gesetz für digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) und die Datenschutzrichtlinie DSGVO.

In Brüssel laufen mehrere Verfahren gegen Tiktok. Dabei geht es unter anderem um den Jugendschutz, illegale Inhalte wie Gewaltdarstellungen und die Suchtgefahr auf der Videoplattform. Die Kommission kann Tiktok zu Änderungen auffordern und Bußgelder verhängen. Auf Druck aus Brüssel hat das Unternehmen in der Vergangenheit unter anderem seine App Tiktok Lite mit einem aus Sicht der Kommission süchtig machenden Belohnungsmodell zurückgezogen.

Weimer begründete seine Forderung mit mangelndem Datenschutz: "Tiktok sammelt die Daten der europäischen Jugend in einem unvorstellbar großen Ausmaß", sagte er bei einem Treffen der EU-Kulturminister in Brüssel. Die Daten lägen auf Servern, welche die EU nicht kontrollieren könne. "Wir wissen auch nicht genau, was mit diesen Daten - und es handelt sich hier um intimste Daten der europäischen Jugend - geschieht."

Tiktoks Hauptsitz in Europa ist in Irland. Nach eigenen Angaben speichert die Plattform die Daten ihrer europäischen Nutzerinnen und Nutzer hauptsächlich im dortigen Datenzentrum und an einem weiteren Standort in Norwegen. Das Unternehmen hat Bedenken, es leite Daten an den chinesischen Staat weiter, stets zurückgewiesen.

Weitere Meldungen

Chef der Finanzaufsicht warnt vor Cybergefahr und riskanten Immobilienkrediten

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) verschärft nach Angaben des Chefs der Finanzaufsicht Bafin, Mark Branson, die Risiken durch Cyberangriffe. Neue KI-Systeme würden

Mehr
Staatsanwalt in Texas: Netflix sammelt illegal Daten und will Nutzer süchtig machen

Der US-Bundesstaat Texas geht juristisch gegen den Streamingdienst Netflix vor. Die Staatsanwaltschaft wirft Netflix vor, illegal Nutzerdaten zu sammeln, wie aus einer am Montag

Mehr
Finanzministerium: KI-Cyberattacken könnten sich auf Finanzstabilität auswirken

Das Bundesfinanzministerium ist besorgt wegen möglicher Auswirkungen von Cyberangriffen mit Hilfe von KI-Systemen auf das globale Finanzsystem. "Die Entwicklung von Modellen wie

Mehr

Top Meldungen

Sieg für Asterix-Verlag: Kein Markenschutz für Waffen namens "Obelix"

Waffen und Sprengstoff können nicht unter dem Namen "Obelix" geschützt werden. Das entschied das Gericht der Europäischen Union in Luxemburg am Mittwoch und gab dem

Mehr
Grüne kritisieren geplantes Heizungsgesetz scharf

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, hat angesichts des Entwurfs zum Gebäudemodernisierungsgesetz vor hohen

Mehr
Bericht: AfD-Abgeordnete planen Reise zu Putin-Forum

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier und Steffen Kotré sollen laut einem Berich eine Teilnahme am Anfang Juni stattfindenden Sankt

Mehr