Eine Abschaffung der Rente ohne Abschläge für besonders langjährig Versicherte - umgangssprachlich "Rente mit 63" genannt - würde einer Studie zufolge nicht nur die Staatskasse entlasten, sondern auch rund 125.000 Arbeitskräfte erhalten. Sollte es so kommen, seien aber Ausnahmen nötig, um Härtefälle zu vermeiden. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch vorgestellte Studie des DIW Berlin im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.
Wer mindestens 45 Beitragsjahre angesammelt hat, kann zwei Jahre vor dem Regeleintrittsalter ohne Abschläge in den Vorruhestand gehen. Derzeit liegt das Regelrentenalter bei 66 Jahren und vier Monaten, die abschlagsfreie Frührente ist aktuell also ab 64 Jahren und vier Monaten möglich. Jährlich nehmen rund 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige diese Möglichkeit neu in Anspruch.
Anlässlich der geplanten Rentenreform werden derzeit zahlreiche Möglichkeiten diskutiert, um die Rentenkassen zu stabilisieren - auch Änderungen bei der Frührente. Würde diese gestrichen, dürfte der Staat pro Rentnerjahrgang 9,5 Milliarden Euro sparen, wie das DIW errechnete. Das Wirtschaftsforschungsinstitut zog dafür Erfahrungen aus früheren Reformen heran und stellte eine Modellrechnung für den Jahrgang 1957 an, den aktuell jüngsten, der vollständig im Ruhestand ist.
Die Wissenschaftler gingen in ihren Rechnungen davon aus, dass die Betroffenen ihren Rentenbeginn beim Wegfall der abschlagsfreien Frührente um rund zehn Monate verschieben und dann mit Abschlägen in Rente gehen. Sie müssten also trotz des späteren Rentenbeginns dann zusätzliche Einkommensverluste im Alter in Kauf nehmen.
Die Rentenversicherung würde in diesem Szenario um 10,4 Milliarden Euro entlastet - unter Berücksichtigung der Ausfälle etwa bei Kranken- und Arbeitslosenversicherung blieben 9,5 Milliarden Euro übrig. Die Möglichkeit der Frühverrentung gehöre daher "auf den Prüfstand", erklärte André Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung.
Einen positiven Effekt sieht das DIW auch darin, dass durch das Hinauszögern der Rente "zusätzlich Arbeitskräfte im Umfang von rund 125.000 Vollzeitkräften zur Verfügung" stünden. Das seien häufig "erfahrene, gut qualifizierte Beschäftigte".
Wenn nun der abschlagsfreie Vorruhestand abgeschafft würde, seien allerdings Sonderregeln nötig, heißt es in der Studie. Denn vor allem Menschen mit eingeschränkter Gesundheit oder geringer Beschäftigungsstabilität könnten nicht ohne weiteres verlängern und müssten dann mit Abschlägen in Rente. Denkbar seien etwa individuelle Gesundheitsprüfungen, Änderungen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, Nachweise über belastende Tätigkeiten oder die Berücksichtigung des durchschnittlichen Einkommens.
Politik
Studie: Ende der "Rente mit 63" entlastet Staat und erhält 125.000 Arbeitskräfte
- AFP - 3. Juni 2026, 05:09 Uhr
Eine Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 würde einer DIW-Studie zufolge nicht nur die Staatskasse entlasten, sondern auch rund 125.000 Arbeitskräfte erhalten. Sollte es so kommen, seien aber Ausnahmen nötig, um Härtefälle zu vermeiden.
Weitere Meldungen
In St. Petersburg beginnt am Mittwoch das mehrtägige Wirtschaftsforum, das jährlich von der russischen Regierung veranstaltet wird. Das Treffen - offiziell St. Petersburg
MehrDie USA haben nach eigenen Angaben in der Golfregion mehrere Angriffe Teherans auf Nachbarstaaten abgewehrt - und zugleich selbst iranische Ziele ins Visier genommen. Der Iran
MehrDer israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat dem immer wieder von der libanesischen Hisbollah-Miliz angegriffenen Norden seines Landes Milliarden-Hilfen versprochen. Die
MehrTop Meldungen
Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Das Solarunternehmen Enpal will sein Schulungszentrum für externe Handwerksbetriebe öffnen und zugleich sein internationales
MehrBerlin (dts Nachrichtenagentur) - Um die Löcher im Haushalt zu stopfen, fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund in einem neuen Steuerkonzept eine höhere Abgabenlast für
MehrBerlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Teilnahme deutscher Unternehmer am St. Petersburger Wirtschaftsforum stößt in der Politik auf Kritik. Der CDU-Außenpolitiker Roderich
Mehr














