Finanzen

Arbeiter-Samariter-Bund nennt Pflegereform "Bankrotterklärung"

  • dts - 4. Juni 2026, 16:09 Uhr
Bild vergrößern: Arbeiter-Samariter-Bund nennt Pflegereform Bankrotterklärung
Sanitäter (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hat den Referentenentwurf für das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) scharf kritisiert.

Die Bundesregierung habe den Mut zur echten Reform verloren, sagte ASB-Hauptgeschäftsführer Uwe Martin Fichtmüller den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). Statt die Pflegeversicherung zukunftsfest zu machen, werde ein Kurs eingeschlagen, der die Solidarität in Deutschland nachhaltig beschädige. Der Entwurf sei kein Schritt nach vorn, sondern ein sozialer Rückschritt, der Pflegebedürftige im Stich lasse, Pflegekräfte entwerte und die Glaubwürdigkeit des Sozialstaats riskiere.

Besonders kritisierte Fichtmüller, dass die Eigenanteile für Pflegebedürftige weiter stiegen, während grundlegende Strukturreformen ausblieben. "Während die Eigenanteile für Pflegebedürftige weiter explodieren und sich immer mehr Menschen die notwendige Pflege schlicht nicht mehr leisten können, bleiben die privilegierten Sonderversorgungssysteme für Beamte und Abgeordnete unangetastet", sagte er. Das sei keine Gerechtigkeit, sondern eine Bankrotterklärung der Sozialpolitik.

Der ASB wendet sich zudem gegen die geplante Aussetzung der Tariftreuepflicht. Diese sei ein Frontalangriff auf die Arbeitsbedingungen derjenigen, die tagtäglich für die Versorgungssicherheit sorgen. Die Folgen seien prekäre Löhne, Fachkräftemangel und ein Qualitätsverlust in der Pflege - eine Wiederholung der Fehler der 1990er-Jahre, die man sich längst nicht mehr leisten könne.

Auch die vorgesehenen Einschnitte bei Leistungen stoßen auf Ablehnung. Fichtmüller kritisierte, das Entlastungsbudget für Pflegegrad 1 werde gestrichen, die Verweildauerstufen verlängert - Maßnahmen, die die Schwächsten am härtesten träfen. Stattdessen fordert der Verband unter anderem eine vollständige Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen, die Rückführung der Corona-Schulden der Pflegeversicherung durch den Bund sowie eine Begrenzung der Eigenanteile.

Positiv bewertet der ASB zwar die geplante Stärkung von Prävention und Digitalisierung. Insgesamt überwiege jedoch die Kritik. "Die Halbherzigkeit dieses Entwurfs zeigt sich überall: Prävention bleibt Pflichtübung, Digitalisierung wird ohne Personal geplant, und Entlastung für Pflegebedürftige bleibt eine leere Versprechung", sagte Fichtmüller. Der ASB forderte die Bundesregierung auf, den Kurs zu korrigieren und eine echte Reform auf den Weg zu bringen, die Solidarität und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stelle.

Weitere Meldungen

Städtebund zeigt sich enttäuscht über geplante Pflegereform

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) hat den Entwurf von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) für eine Pflegereform kritisiert.

Mehr
VdK kritisiert Pflegereform als "Schlag ins Gesicht" von Angehörigen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Sozialverband VdK warnt vor Belastungen für pflegende Angehörige und Kinder von Pflegebedürftigen durch die Pflegereform von

Mehr
Linnemann warnt vor Belastung der Mittelschicht

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat davor gewarnt, bei allen Sozial- und Steuerreformen immer nur die Normal- und Besserverdiener zur

Mehr

Top Meldungen

Trade Republic wird Vertriebspartner für SpaceX-Börsengang

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die deutsche Neobank Trade Republic wurde nach eigenen Angaben als Vertriebspartner für Privatanleger beim geplanten Börsengang von SpaceX

Mehr
Bahn fürchtet Probleme für Regionalverkehr wegen Italo-Konkurrenz

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Deutsche Bahn warnt vor möglichen Beeinträchtigungen im Regionalverkehr wegen neuer Fernzug-Konkurrenz. "Bahnknoten wie München, Berlin,

Mehr
Von der Leyen kündigt Unterstützungspaket für Armenien an

Brüssel (dts Nachrichtenagentur) - Die Europäische Union plant ein Unterstützungspaket für Armenien, um auf neue wirtschaftliche Beschränkungen durch Russland zu reagieren.

Mehr