Politik

Tausende demonstrieren nach Zwangsräumung von 87-Jähriger in Madrid

  • AFP - 26. September 2026, 23:57 Uhr
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Demonstranten in Madrid
Bild: AFP

Wenige Tage nach der Zwangsräumung einer 87-Jährigen in Madrid haben tausende Menschen in der spanischen Hauptstadt für bezahlbaren Wohnraum und mehr Mieterschutz demonstriert.

Wenige Tage nach der Zwangsräumung bei einer 87-Jährigen in Madrid haben tausende Menschen in der spanischen Hauptstadt für bezahlbaren Wohnraum und mehr Mieterschutz demonstriert. Bilder davon, wie Maricarmen Abascal am Mittwoch auf einer Trage aus ihrer Wohnung geholt wurde, hatten die Debatte um bezahlbaren Wohnraum in Spanien zuvor neu entfacht. "Du könntest die nächste Maricarmen sein" und "Keine einzige Maricarmen mehr", hieß es auf Bannern bei der Demonstration am Samstag.

Die Demonstranten in Madrid klapperten mit Schlüsselbunden und pfiffen, während sie durch die Hauptstadt marschierten. Die Behörden gaben die Zahl der Teilnehmer mit rund 25.000 an, die Organisatoren sprachen von mehr als 300.000 Demonstranten. Nach dem Ende des Demonstrationszugs errichteten Aktivisten ein Protestcamp auf dem zentralen Platz Puerta del Sol.

Der Mieterverband rief die Menschen auf, sich auf dem Platz vor dem Sitz der Regionalregierung zu versammeln: "Wir können es nicht länger ertragen", hieß es in einer im Onlinedienst X verbreiteten Erklärung: "Entweder stürzt das Mietensystem, oder die Regierung stürzt."

Wenige Stunden vor Beginn der Demonstration hatte Abascal die Spanier in einer vom Mieterbund verbreiteten Videobotschaft aufgerufen, sich dem Protest für bezahlbaren Wohnraum und besseren Schutz vor Zwangsräumungen anzuschließen. "Ich will, dass das, was mir passiert ist, dazu beiträgt, dass es niemand anderem mehr passiert", sagte die 87-Jährige darin. "Ich will, dass es den Leuten Mut macht zu kämpfen und die Gesetze zu verändern, die meine Zwangsräumung zugelassen haben."

Abascal hatte 70 Jahre lang in ihrer Wohnung in Madrid gelebt. Am Mittwoch wurde die Wohnung zwangsgeräumt, nachdem ein Investor die Immobilie erworben und die Miete nach Angaben des Mieterverbands um 275 Prozent auf 2650 Euro monatlich erhöht hatte.

Der Wohnungsmarkt in Spanien sei "unmöglich", sagte der Demonstrant Enrique Ortega de Miguel, der mit 38 Jahren noch bei seiner Mutter lebt: "Es ist ein Kampf, eine bezahlbare Wohnung zu finden, und dann lebt man in der ständigen Angst, rausgeschmissen zu werden." Die 76 Jahre alte Rentnerin Maricarmen Arnedo klagte, während alte Leute aus ihren Wohnungen gedrängt würden, könnten es sich jüngere nicht leisten, bei ihren Eltern auszuziehen: "Wir wollen, dass die Immobilienpreise und Mieten sinken. Ich habe die Nase voll davon, die Unterhosen meines 53-jährigen Sohnes zu waschen", schimpfte sie.

Seit Abascals Zwangsräumung hat es in Spanien wiederholt Proteste gegeben. Der sozialistische Regierungschef Pedro Sánchez ist unter Druck, nachdem er im vergangenen Jahr angekündigt hatte, das Thema Wohnungsnot anzugehen. Das Kabinett will in der kommenden Woche über ein unter dem Namen "Maricarmen-Erlass" bekannt gewordenes Maßnahmenpaket beraten. Dazu gehört etwa eine automatische Verlängerung von Mietverträgen und striktere Regelungen für Zwangsräumungen.

Kritiker machen unter anderem Immobilienfonds sowie Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb für steigende Preise und die Knappheit von verfügbarem Wohnraum in Spanien verantwortlich. Laut der Banco de España fehlen in dem Land etwa 700.000 Wohnungen.

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