Brennpunkte

CDU-Arbeitnehmergruppe verlangt höhere Erbschaftsteuer

  • dts - 6. Oktober 2026, 19:03 Uhr
Bild vergrößern: CDU-Arbeitnehmergruppe verlangt höhere Erbschaftsteuer
Stefan Nacke (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Wenige Tage vor den Verhandlungen des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaft- und zur Schenkungsteuer fordern der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der Unionsfraktion, Stefan Nacke, und der Finanzvorstand des Deutschen Caritasverbandes, Friedrich von Schönfeld, eine Erhöhung der Erbschaftssteuer. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwochausgabe) unter Berufung auf ein Papier mit dem Titel "Leistung muss mehr zählen als Herkunft", in dem ein Kurswechsel der Union in der Steuerpolitik verlangt wird.

"Wer seinen Kindern etwas hinterlassen möchte, handelt verantwortlich", schreiben Nacke und von Schönfeld. Darin liege ein Antrieb, zu arbeiten, zu sparen und unternehmerische Risiken einzugehen - diese Lebensleistung verdiene Respekt. "Aber die Leistung des Erblassers ist nicht die Leistung des Erben."

Eine Gesellschaft, die Eigenverantwortung verlange, müsse deshalb auch danach fragen, welche Aufstiegschancen diejenigen haben, die ohne Vermögen beginnen. Eigentumspolitik dürfe nicht allein die Interessen derjenigen vertreten, die bereits besitzen, schreiben die Autoren des Papiers. Sie müsse auch denen einen Weg eröffnen, die erst Eigentum erwerben wollen. Das Grundgesetz verbinde den Schutz von Eigentum und Erbrecht mit der Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit. Beides gehöre zusammen. Bei der Erbschaftsteuer sei dieses Verhältnis jedoch "aus dem Gleichgewicht geraten".

Eine gerechtere Erbschaftsteuer löse weder den Wohnungsmangel noch die Finanzierungsprobleme der Sozialversicherungen, räumen Nacke und von Schönfeld ein. "Sie entbindet den Staat auch nicht davon, mit seinem Geld besser umzugehen." Sie gehöre aber zu einer glaubwürdigen Antwort auf die Frage, wie man die Finanzierung und Erneuerung des Gemeinwesens gerecht gestalten könne. "Leistung muss sich mehr lohnen als Erben." Wer mehr Eigenverantwortung fordere, dürfe sich nicht damit zufriedengeben, dass aktuell Aufstieg oft eher durch Erbschaft und weniger durch Leistung möglich sei.

Das Problem gewinne durch die anstehenden Sozialreformen an Schärfe, schreiben die beiden Autoren. "Wenn Beschäftigte über höhere Beiträge und Leistungsempfänger über Einschnitte diskutieren sollen, dürfen die Privilegien bei der Übertragung großer Vermögen nicht außerhalb der Debatte stehen." Natürlich müsse eine Erbschaftsteuerreform auch die Fortführung von Unternehmen ermöglichen. "Das rechtfertigt jedoch keine weitgehende Steuerfreiheit großer Erbschaften." Zu schützen sei "die Fortführung des Betriebs, nicht die steuerfreie Erbschaft seiner Erben".

Bisher lehnt die Union Erhöhungen ab. Sie verweist dabei gerne auf mittelständische Familienunternehmen, die im Erbfall nicht in ihrer wirtschaftlichen Substanz gefährdet werden dürften.

Die Arbeitnehmergruppe der Unionsfraktion, deren Vorsitzender Nacke ist, besteht aus 62 Bundestagsabgeordneten. Sie ist damit gut dreimal so groß wie die Junge Gruppe der Unionsfraktion, die im vergangenen Jahr wegen ihrer Kritik an der Rentenpolitik der Regierung so große Aufmerksamkeit erregt hat.

Weitere Meldungen

USA: Cornell-Uni beauftragt Ex-Staatsanwältin mit Prüfung von Umgang mit Gruppenvergewaltigung

Die Cornell-Universität in den USA hat eine bekannte ehemalige Staatsanwältin mit der Prüfung des Umgangs der Eliteuni mit einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer

Mehr
"Spiegel": Ex-BND-Chef Hanning soll Analyse für Aserbaidschan erstellt haben

Der unter Spionageverdacht festgenommene frühere BND-Präsident August Hanning soll einem Medienbericht zufolge eine Analyse für den Geheimdienst von Aserbaidschan erstellt

Mehr
Regierungskreise: Macron berät mit wichtigen Ministern über Schülerproteste

Angesichts der seit Wochen andauernden Schülerproteste in Frankreich trifft der französische Präsident Emmanuel Macron am Dienstagabend mit wichtigen Ministern zusammen. An

Mehr

Top Meldungen

Energieunternehmen wirft Reiche Angriff auf Eigentum vor

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Chef des Energieunternehmens "1Komma5Grad", Philipp Schröder, hat die Energiepläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)

Mehr
Internationaler Währungsfonds: Anhaltender Preisschock wegen Kriegen und Krisen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht anhaltende Auswirkungen von Kriegen und Krisen weltweit auf das Preisniveau von Lebensmitteln und Energie. Die Preise für

Mehr
Bericht: Merz und Macron wollen Verbrenner-Aus kippen

Brüssel (dts Nachrichtenagentur) - Deutschland und Frankreich wollen mit einem gemeinsamen Vorstoß das Aus des Verbrennerverbots besiegeln. Das berichtet die "Frankfurter

Mehr