Die Zahl der Suizide in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren gestiegen. Im vergangenen Jahr gab es 11.334 Selbsttötungen, wie das Nationale Suizidpräventionsprogramm und die Deutsche Akademie für Suizidprävention am Mittwoch in Kassel mitteilten. Das war ein Anstieg um 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024 und zugleich der höchste Stand seit 1998.
Nach einem jahrzehntelangen tendenziellen Rückgang stieg die Zahl der Suizide seit 2020 den Angaben zufolge insgesamt um fast ein Viertel (23 Prozent). Nach Angaben der beiden Institutionen nahmen im vergangenen Jahr die Selbsttötungen in höherem Alter und die Zahl sogenannter assistierter Suizide weiter zu. Im Vorjahresvergleich stieg darüber hinaus die Zahl der Suizide bei Frauen besonders stark - und zwar um 17,9 Prozent. Bei Männern gab es einen Anstieg um 5,8 Prozent.
"Besonders auffällig" sei auch der Anstieg der Todesfälle durch Selbstvergiftungen mit Arzneimitteln und anderen Substanzen, hieß es weiter in dem bericht. Bei Frauen entfalle 2025 rechnerisch fast der ganze Anstieg der Suizidzahlen auf diese Art von Todesfällen. Insgesamt werfe dies "die Frage auf, welchen Anteil die wachsende Zahl assistierter Suizide an dieser Entwicklung hat", erklärten die Institutionen.
Assistierte Suizide werden in der bundesweiten Statistik demnach nicht gesondert ausgewiesen. Die verfügbaren Daten begründeten jedoch "die Vermutung", dass eine zunehmende Suizidassistenz zu einem Anstieg der Zahlen bei Frauen beitrage, teilen die Organisationen weiter mit. Sie forderten eine bundesweit einheitliche unabhängige Erfassung.
Unter einem assistierten Suizid versteht man die Beihilfe zur Selbsttötung. Ein Sterbewilliger nimmt freiwillig und selbstständig eine Substanz zur Selbsttötung ein, die ein Angehöriger, Arzt oder Sterbehelfer die tödliche Substanz zur Verfügung gestellt hat.
Annähernd die Hälfte aller Suizide entfiel im vergangenen Jahr auf die Altersgruppe ab 65 Jahre. Insgesamt sind Männer weiter deutlich öfter betroffen als Frauen - im vergangenen Jahr entfielen 69,2 Prozent der Suizide auf Männer. Die Suizidrate unter Männern lag 2025 bei 19 je 100.000, bei Frauen betrug sie 8,2 je 100.000. Laut Statistik näherten sich die Suizidtaten in den vergangenen Jahren allerdings zunehmend an.
Die Akademie für Suizidprävention bezeichnete die Zunahme die steigenden Zahlen als "Warnzeichen". Es sei "an der Zeit", in die Suizidprävention zu investieren, erklärte deren geschäftsführendes Vorstandsmitglied Georg Fiedler. "Wer über einen Suizid nachdenkt, muss schnell und einfach Unterstützung finden." Seiner Organisation zufolge geht es dabei neben der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung insbesondere auch um "niedrigschwellige Beratungsangebote und regionale Netzwerke".
Ältere Frauen stellen dabei laut Angaben der Expertinnen und Experten eine zunehmend besonders stark betroffene Risikogruppe dar. "Auch wenn weiterhin die meisten Suizide auf Männer entfallen, ist die Entwicklung bei älteren Frauen besonders besorgniserregend", erläuterte Barbara Schneider vom Nationalen Suizidpräventionsprogramm. Für sie müssten gezielte und gut erreichbare Unterstützungsangebote entwickeln werden.
Lifestyle
Höchster Stand seit fast 30 Jahren: Zahl von Suiziden in Deutschland steigt
- AFP - 28. Oktober 2026, 11:12 Uhr
Die Zahl der Suizide in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren gestiegen. Im vergangenen Jahr lag sie bei 11.334, wie das Nationale Suizidpräventionsprogramm und die Deutsche Akademie für Suizidprävention am Mittwoch mitteilten.
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