Nach einem weiteren Protesttag in Frankreich mit hunderttausenden Teilnehmern hat die französische Regierung eine Erhöhung des Mindestlohns auf 1500 Euro in Aussicht gestellt. Es sei wichtig, "diese Schwelle zu überschreiten", sagte Arbeitsminister Jean-Pierre Farandou am Freitag dem Sender TF1. Derzeit liegt der Mindestlohn in Frankreich bei 1478 Euro. Lohn- und Gehaltserhöhungen zählen zu den zentralen Forderungen der Gewerkschaften, die zu den Protesten am Donnerstag aufgerufen hatten.
Der Mindestlohn wird in Frankreich regelmäßig an die Inflation angepasst, wurde aber seit 2012 nicht mehr erhöht. Die Gewerkschaften fordern eine Erhöhung um bis zu 150 Euro. Premierminister Sébastien Lecornu hat für Montag eine Sozialkonferenz einberufen, um über die Forderungen der Gewerkschaften zu beraten.
Am Donnerstag waren landesweit nach verschiedenen Angaben zwischen 575.000 und 1,6 Millionen Menschen für höhere Löhne und bessere Bedingungen an Schulen und Universitäten auf die Straßen gegangen. Am Rande der Kundgebungen gab es in mehreren Städten gewaltsame Auseinandersetzungen. Nach Angaben des Innenministeriums wurden bis zum frühen Abend 448 Menschen festgenommen und 53 Sicherheitskräfte verletzt.
In Paris hatten mehrere Präsidentschaftskandidaten an der Demonstration teilgenommen, unter ihnen der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon und die Grüne Marine Tondelier. Die seit Wochen andauernden Proteste verschiedener gesellschaftlicher Gruppen prägen den Präsidentschaftswahlkampf, in dem die Rechtspopulistin Marine Le Pen derzeit die besten Aussichten hat.
Zu dem Protesttag am Donnerstag hatten mehrere Gewerkschaften aufgerufen. Schüler- und Studierendenverbände sowie die Gelbwestenbewegung unterstützten den Aufruf und trieben damit die Teilnehmerzahlen in die Höhe. Die Protestbewegung will ihre Aktionen auch am Samstag fortsetzen.
Brennpunkte
Nach Protesten: Frankreichs Regierung erwägt Mindestlohn von 1500 Euro
- AFP - 6. November 2026, 11:56 Uhr
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