Finanzen

Steuerzahlerbund kritisiert "verkorkstes Steuersystem"

  • dts - 23. März 2026
Bild vergrößern: Steuerzahlerbund kritisiert verkorkstes Steuersystem
Reiner Holznagel (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, hat seine angekündigte Klage gegen die Aktivrente verteidigt. "Dass man Menschen motivieren will, länger zu arbeiten, ist grundsätzlich nachvollziehbar", sagte er dem Nachrichtenportal T-Online. "Wir Deutsche gehen im internationalen Vergleich früh in Rente, dadurch geht viel Know-how verloren." Das Problem sei aber die konkrete Ausgestaltung. "Bei der Aktivrente wird der Gleichbehandlungsgrundsatz nicht eingehalten, weil Selbstständige und Freiberufler ausgeschlossen sind", kritisierte er.

Holznagel fordert daher gleiche Regeln für alle Erwerbstätigen. Zwar könne man "generell bezweifeln, ob die Aktivrente das richtige Instrument ist", doch müsse sie, wenn eingeführt, auch flächendeckend gelten. Gerade Unternehmer im ländlichen Raum könnten profitieren, da viele vor der Aufgabe stünden und Nachfolger fehlten.

Holznagel sieht zudem grundsätzliche Probleme im Steuersystem. "Wir Deutsche haben es geschafft, mit unserer Einkommensbesteuerung Mehrarbeit zu bestrafen", sagte er. Die "sehr steile Progression" führe dazu, dass sich zusätzliche Arbeit oft nicht lohne. Viele entschieden sich daher, zusätzliche Arbeit gegen Freizeit zu tauschen. "Das ist keine Böswilligkeit. Das ist eine logische Reaktion auf das verkorkste Steuersystem."

"Wir müssen alles dafür tun, dass sich der letzte Euro genauso lohnt wie der erste", so Holznagel. Er verwies darauf, dass der aktuell diskutierte Vorschlag, den Spitzensteuersatz später greifen zu lassen, vor allem Durchschnittsverdiener entlaste. Aus Sicht des Steuerzahlerbunds sollte die Reform noch weiter gehen: Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent sollte erst ab 100.000 Euro zu versteuerndem Einkommen greifen. Die Union hatte eine Grenze von etwa 80.000 Euro vorgeschlagen. Zugleich sollte der Höchststeuersatz von 45 auf 48 Prozent und erst gelten, wenn jemand eine Million Euro und mehr zu versteuern hat.

Eine komplette Gegenfinanzierung für die Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen über höhere Steuersätze für Reiche sei jedoch unrealistisch. "Dafür bräuchte es Steuersätze von 70 Prozent oder mehr", so Holznagel. Grundsätzlich gelte: "Wenn man echte Steuerentlastungen möchte, muss man akzeptieren, dass der Staat auch weniger einnimmt."

Weitere Meldungen

Commerzbank-Chefin bekräftigt Eigenständigkeit des Geldinstituts

Frankfurt am Main (dts Nachrichtenagentur) - Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat das Übernahmeangebot der italienischen Großbank Unicredit kritisiert und zugleich die

Mehr
Entscheidung zum digitalen Euro eventuell noch 2026

Frankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) - Die Bundesbank hat den digitalen Euro gegen Kritik verteidigt und eine baldige politische Entscheidung in Aussicht gestellt. "Politisch

Mehr
Bankenverband senkt Wachstumsprognose auf ein Prozent

Frankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) - Die privaten Banken in Deutschland sagen für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent voraus, 0,4 Prozentpunkte weniger

Mehr

Top Meldungen

Caritas will Pflicht für klimaschonende Heizungen in Mietwohnungen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Angesichts "drastisch" steigender Energiepreise fordert die Caritas eine gesetzliche Verpflichtung zum Einbau klimaschonender Heizungen in

Mehr
DIHK verlangt spürbare Reformen bis zum Sommer

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Angesichts der schlechten Wirtschaftslage fordert die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) die Bundesregierung auf, bis zum Sommer

Mehr
Bericht: Lufthansa plant massive Investition am Münchner Flughafen

München (dts Nachrichtenagentur) - Die Lufthansa plant offenbar eine massive Investition am Münchner Flughafen. Wie das Nachrichtenmagazin Focus berichtet, will die

Mehr