Wirtschaft

Digitaler und günstiger: Bundestag billigt Reform beim Führerschein

  • AFP - 5. November 2026, 17:48 Uhr
Bild vergrößern: Digitaler und günstiger: Bundestag billigt Reform beim Führerschein
Fahrschulauto
Bild: AFP

Die Ausbildung in der Fahrschule soll künftig digitaler und flexibler werden. Der Bundestag gab am Donnerstag grünes Licht für einen Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Fahrlehrergesetzes.

Der Erwerb des Führerscheins soll kräftig entstaubt werden und damit auch günstiger - am Donnerstag stimmte der Bundestag mit der Mehrheit von Union und SPD für die Änderung des Fahrlehrergesetzes und anderer Straßenverkehrsgesetze. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) sagte kürzlich, mit den geplanten Änderungen seien mehrere hundert Euro Ersparnis möglich. Daran gab es in der Bundestagsdebatte aber Zweifel. 

Die Änderungen sehen vor, dass die theoretische Prüfung auch ohne vorherigen Präsenzunterricht in einer Fahrschule abgelegt werden kann - die Zahl der Prüfungsfragen soll zudem kräftig reduziert werden. Das Autofahren zu üben, soll künftig auch in Begleitung einer "nahestehenden Person" möglich sein, also etwa der Eltern. Die Zahl der teuren Sonderfahrten zum Beispiel auf der Autobahn soll der Fahrlehrer oder die Fahrlehrerin je nach Fähigkeit festlegen - die Pflicht zu zwölf Sonderfahrten entfällt. 

In der Bundestagsdebatte hob der CDU-Abgeordnete Henning Rehbaum hervor, dass der Führerschein dank der Reform moderner, schneller und günstiger werden könne, ohne Abstriche bei der Sicherheit. Der Abgeordnete Truels Reichardt von der SPD verwies darauf, dass der Führerschein gerade im ländlichen Raum ein "riesiges Stück Freiheit" sei. Die Finanzierung stelle aber viele junge Menschen vor Probleme. Nach Regierungsangaben kostet ein Führerschein im Schnitt 3400 Euro. 

Deshalb sei es das Ziel der Koalition, die Ausbildung "einfacher, moderner und bezahlbarer" zu machen, sagte Reichardt. Zugleich wandte er sich dagegen, mögliche Einsparungen konkret zu beziffern: Es sei noch nicht klar, wie stark die Kosten tatsächlich sinken könnten, betonte der SPD-Abgeordnete. 

Bundesverkehrsminister Bilger hatte im vergangenen Monat der "Welt" gesagt, dass  Fahrschüler "eine Ersparnis von mehreren hundert, bestenfalls sogar bis zu 1000 Euro erwarten" könnten. Dabei gebe es allerdings "große regionale Unterschiede".

Kritik an den Plänen äußerten Abgeordnete der Opposition. Die Grünen-Abgeordnete Swantje Henrike Michaelsen warf Union und SPD ebenso wie der Linken-Abgeordnete Jorrit Bosch vor, dass der Entwurf sozial unausgewogen sei, etwa mit Blick auf das geplante Üben mit Fahrschülern durch Familienangehörige, was privilegierte Familien begünstige. 

Zudem seien deutlich weniger Einsparungen als von Verkehrsminister Bilger in Aussicht gestellt zu erwarten. "Sie sollen vor allem durch die Laienausbildung kommen, allerdings verschweigt die Bundesregierung die zusätzlichen Kosten für Auto, Sprit und Versicherung, die dadurch entstehen", sagte Michaelsen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. 

Die AfD-Fraktion sprach sich für staatliche zinsfreie Kleinkredite aus, um junge Menschen bei der Finanzierung des Führerscheins zu unterstützen.

Kurz vor der Abstimmung teilte die Organisation Change.org mit, mehr als 40.000 Menschen unterstützten Petitionen gegen die Pläne der Regierung. Gestartet haben die Petitionen demnach die Fahrlehrerin Jasmin Krummenöhl aus Solingen und der angehende Fahrlehrer Nico Meyer aus Siegen. Beide fordern laut Change.org, die Reform in ihrer jetzigen Form zu stoppen. 

"Wie man nachts auf der Landstraße fährt oder auf der Autobahn einschätzt, was gleich passiert, lernt niemand per App", erklärte Krummenöhl. Sie kritisierte auch die sogenannte Laienausbildung - "auf dem Beifahrersitz fehlt die Bremse". Der Preis der Reform sei "unser aller Sicherheit im Straßenverkehr". Meyer schlug vor, statt der Reform die Mehrwertsteuer auf den Führerschein zu streichen. 

Der ADAC hatte argumentiert, die Reform könne die Verkehrssicherheit auch erhöhen, weil Fahrschüler mit Begleitpersonen mehr Fahrpraxis erwerben können: "Mehr Fahrpraxis senkt nachweislich das Unfallrisiko."  

Die meisten Änderungen sollen am 1. Juli 2027 in Kraft treten. der Bundesrat muss noch zustimmen. Die Übungsfahrten mit Eltern müssen von den Bundesländern per eigener Verordnung zugelassen werden. 

Weitere Meldungen

Doch Verwechslungsgefahr: Ritter Sport setzt sich gegen quadratischen Haferriegel durch

Im Rechtsstreit mit dem Hersteller eines quadratisch verpackten Haferriegels war Ritter Sport vor dem Landgericht Stuttgart gescheitert - in höherer Instanz hat der

Mehr
Britische Zentralbank reagiert auf hohe Inflation und hebt die Leitzinsen

Die britische Zentralbank hat angesichts der wieder stärker steigenden Verbraucherpreise ihre Leitzinsen erhöht. "Der durch den Anstieg der Energiepreise verursachte

Mehr
Rundfunkbeitrag: Rundfunkanstalten starten kommende Woche Meldedatenabgleich

Der Beitragsservice der Rundfunkanstalten startet in der kommenden Woche zum vierten Mal einen bundesweiten Meldedatenabgleich, um Menschen zu ermitteln, die keinen

Mehr

Top Meldungen

IG Metall: Weitere Tarifverhandlungsrunde "ohne Bewegung" beendet

In der Metall- und Elektroindustrie ist eine weitere Tarifverhandlungsrunde nach Gewerkschaftsangaben "ohne Bewegung" zu Ende gegangen. "Seit der letzten Verhandlung am 27.

Mehr
DIW zweifelt an Wirksamkeit eines Spritpreisdeckels

Osnabrück (dts Nachrichtenagentur) - Im Streit um den geplanten Spritpreisdeckel zweifelt der Ökonom Marcel Fratzscher die Wirksamkeit des Instruments an und warnt vor

Mehr
Umfrage: Mehr als jedes zweite Unternehmen hat Homeoffice seit Corona reduziert

Mehr als jedes zweite Unternehmen in Deutschland hat einer Umfrage zufolge das Arbeiten von zu Hause seit der Corona-Pandemie eingeschränkt. 39 Prozent der befragten Unternehmen

Mehr