Nach dem Ausschluss eines Favoriten wegen der Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist der renommierte französische Literaturpreis Goncourt an den Schriftsteller Philippe Jaenada verliehen worden. Die Juroren entschieden sich am Dienstag in Paris für den Roman "L'Inconnue du Quai Javel", der die Geschichte eines jungen Models erzählt, das 1949 in Paris ermordet worden war.
Der 62-jährige Jaenada ist für seine hartnäckigen Archivrecherchen zu historischen Kriminalfällen bekannt. Für seinen Roman "La Serpe", der ebenfalls einen Fall aus den 1940er Jahren aufgreift, war Jaenada 2017 mit dem Femina-Literaturpreis ausgezeichnet worden.
Der Goncourt-Literaturpreis hatte im September den haitianisch-kanadischen Autor Thélyson Orélien aus seiner Auswahlliste gestrichen, nachdem eine Analyse zu dem Ergebnis gekommen war, sein Text sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit in weiten Teilen ein Produkt der Künstlichen Intelligenz (KI)".
Der 38 Jahre alte Autor wies die Vorwürfe zurück, räumte aber frühere Plagiate ein. KI habe er lediglich zum Übersetzen genutzt, erklärte er. "Kein Satz des Buchs wurde von einer Maschine erschaffen", betonte Orélien.
Sein kanadischer Verlag, der ihn zunächst unterstützt hatte, trennte sich dann im Oktober von dem Autor, weil er entgegen seiner Aussage auch beim Schreibprozess KI genutzt habe. Das Ausmaß der KI-Nutzung lasse sich zwar nicht feststellen, aber das Vertrauen zwischen Autor und Verlag sei zerstört. Orélien bekräftigte weiter, dass er das Buch selbst geschrieben habe, KI aber "für historische Recherchen" genutzt habe.
Das Buch, das die Geschichte eines Migranten aus Haiti erzählt, hatte bei Kritikern Begeisterung ausgelöst und war zu einem Bestseller geworden.
Der Fall von Orélien hatte eine erhitzte Debatte in der Literaturwelt ausgelöst. Mehrere Verlage, darunter das Traditionshaus Gallimard, kündigten an, Manuskripte künftig auf mögliche KI-Anteile zu überprüfen. Die Académie Goncourt will ihre Regeln überarbeiten und festschreiben, dass nur Werke ausgezeichnet werden, die vollständig von einem Menschen geschrieben wurden.
Der Goncourt-Literaturpreis war in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten, weil überdurchschnittlich viele weiße ältere Männer zu den Preisträgern zählten. 2021 war der senegalesische Schriftsteller Mohamed Mbougar Sarr der erste Preisträger aus Subsahara-Afrika.
Die Juroren des Literaturpreises treffen ihre Entscheidung traditionell beim Mittagessen in einem Pariser Restaurant. Der Preisträger erhält einen Scheck in Höhe von zehn Euro - vor allem aber die Aussicht auf enorme Verkaufszahlen. Die Bücher von Goncourt-Preisträgern werden mit einer roten Manschette versehen und von Buchhandlungen prominent beworben. Von dem 750-Seiten-Roman des Preisträgers von 2025, Laurent Mauvignier, wurden 640.000 Exemplare verkauft.
Mit der Auszeichnung wird seit 1903 "das beste Prosawerk" geehrt, das im jeweiligen Jahr auf Französisch veröffentlicht wurde. Die Jury besteht aus zehn Mitgliedern, die sich jeden ersten Dienstag im Monat im Pariser Restaurant Drouant treffen und dort Besteck mit eingraviertem Namen haben. Romain Gary ist der einzige Schriftsteller, der den Preis zweimal erhielt, aber auch nur, weil er den zweiten Roman unter einem Pseudonym veröffentlicht hatte.
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Nach KI-Kontroverse: Franzose Jaenada erhält Goncourt-Literaturpreis
- AFP - 3. November 2026, 13:14 Uhr
Nach dem Ausschluss eines Favoriten wegen der Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist der renommierte französische Literaturpreis Goncourt an den Schriftsteller Philippe Jaenada verliehen worden.
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