Die Krise in der Autoindustrie kostet erneut Arbeitsplätze: Der Autozulieferer Schaeffler mit Sitz in Herzogenaurach kündigte am Dienstag den Abbau von 3460 Stellen in Europa an, 2660 Stellen davon in Deutschland. Insgesamt fünf Standorte will das Unternehmen schließen, vier davon hierzulande. Automobilverbandspräsidentin Hildegard Müller appellierte an die Politik, die Standortbedingungen in Deutschland schnell zu verbessern.
Schaeffler erklärte, der Stellenabbau sei die Reaktion auf das "anhaltend herausfordernde Umfeld im Automobilgeschäft" und nannte insbesondere den "verzögerten Hochlauf der Elektromobilität". Hinzu kämen unter anderem die "überdurchschnittlich hohen Personalkosten pro Kopf in Deutschland".
Geschlossen werden sollen die Werke in Dortmund mit 430 Beschäftigten, in Morbach mit 160 Mitarbeitenden, in Berlin mit 270 Beschäftigten und in Schwalbach mit 385 Beschäftigten. Weitere "Anpassungen" und teils Einstellungen von Geschäftsaktivitäten betreffen verschiedene weitere Standorte, etwa in Höchstadt, Erlangen und Schweinfurt.
In Deutschland beschäftigt das Unternehmen den Angaben nach derzeit knapp 32.000 Menschen. Der Stellenabbau hierzulande betrifft damit rund neun Prozent der Belegschaft und soll bis 2028 abgeschlossen sein. Zusammen mit bisherigen Sparprogrammen und bereits unterzeichneten 1800 Altersteilzeitverträgen beträgt der Jobabbau 18 Prozent der Belegschaft in Deutschland.
Außerhalb Deutschlands sind Verkleinerungen der Standorte in Hagenau und Toulouse in Frankreich sowie in Skalica und Kysuce in der Slowakei geplant. Der Standort Herstal in Belgien mit 15 Mitarbeitenden wird geschlossen.
Das Unternehmen plant für den Jobabbau einmalige Kosten in Höhe von 480 Millionen Euro ein. Ab 2030 sollen dann jährlich 300 Millionen Euro eingespart werden. Schaeffler will auch einen Solidaritätsbeitrag einführen - ein "temporärer, noch im Detail auszuarbeitender freiwilliger Gehaltsverzicht", beginnend beim Vorstand. Er solle 2027 und 2028 die Personalkosten senken. "Ohne den Solidaritätsbeitrag wäre der Stellenabbau nochmals größer ausgefallen", betonte Schaeffler.
VDA-Präsidentin Müller sagte dem Portal Politico, die Transformation - der Wandel von Verbrenner- auf Elektrotechnologie - koste viele Arbeitsplätze. "Wo neue Arbeitsplätze entstehen, wo die Milliarden-Investitionen unserer Industrie getätigt werden, darüber entscheiden die Standortfaktoren." Der Fall Schaeffler zeige aufs Neue, dass die Unternehmen auf die schlechten Standortbedingungen in Deutschland reagieren müssten.
"Die Wettbewerbsfähigkeit dieses Landes muss endlich die Top-Priorität auf allen politischen Ebenen werden, um die notwendige Trendwende einzuleiten", sagte Müller zu Politico. "Politisches Nicht-Handeln kostet jeden Tag weitere Jobs."
Wirtschaft
Autozulieferer Schaeffler streicht 3460 Stellen - davon 2660 in Deutschland
- AFP - 3. November 2026, 12:46 Uhr
Die Krise in der Autoindustrie kostet erneut Arbeitsplätze: Der Autozulieferer Schaeffler kündigte am Dienstag den Abbau von 3460 Stellen in Europa an, 2660 Stellen davon in Deutschland.
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